Freiwillige Tests

Zertifikat für Mehrsprachigkeit

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Schüler der Theodor-Heuss-Schule und Käthe-Kollwitz- Schule haben sich in ihrer Muttersprache prüfen lassen. Viele empfinden diese aber eher als Sprache ihrer Eltern und sehen sich als Deutsche.

Offenbach -Der einzige Akzent, der wahrnehmbar ist, wenn Claudio, Mehmet und Yahya sich unterhalten, verdanken sie dem Offenbacher Dialekt. Die Schüler sind in Deutschland geboren und auch mit Italienisch oder Türkisch aufgewachsen. Von Sonja Achenbach

Für die drei Jungs sind die Sprachen ihrer Eltern aber Zweitsprachen. So empfinden sie es schon als ein bisschen widersinnig, wenn ihnen nach dem Besuch von Förderunterricht besondere „Leistungen in der Muttersprache“ bescheinigt werden. Ihre Muttersprache sei doch Deutsch.

71 Schüler von Theodor-Heuss- und Käthe-Kollwitz-Schule haben im Februar Prüfungen bei der Initiative Hessencampus Offenbach, einer Zusammenarbeit von Volkshochschule und Berufsschulen, abgelegt. In Offenbach wächst etwa ein Drittel der Schüler mehrsprachig auf. Seit sechs Jahren können sie ihre Kompetenzen in den Herkunftssprachen ihrer Familien testen und dokumentieren. Das soll unter anderem nützlich bei Bewerbungen fürs Berufsleben sein. Die freiwilligen Tests dieses Jahres betrafen Türkisch (40), Arabisch (8), Russisch (6), Italienisch (10) sowie Kroatisch, Bosnisch und Serbisch (7).

Benotet wird in sechs verschiedenen Leistungsstufen - von Grundkenntnissen bis muttersprachliches Niveau

Koordinatorin Gudrun Bayer berichtet von einigen Schwierigkeiten, die Schüler zur Teilnahme zu motivieren: „Viele haben Angst, denken, dass es nicht ausreicht, in ihrem Elternhaus Türkisch, Italienisch, oder Russisch zu sprechen.“ Dabei kann keiner durchfallen, sagt die Lehrerin.

Benotet werden die Teilnehmer in sechs verschiedenen Leistungsstufen: Von Grundkenntnisse A1 bis hin zu sehr guten bis muttersprachlichen Kenntnissen C2. „Bei einer Note C1 oder C2 beherrscht der Schüler die Sprache so gut, dass er an einer Universität seiner Vorväter studieren könnte“, erläutert Volkshochschul-Leiterin Dr. Gabriele Botte.

Andere Sprachen helfen wenig, wenn’s am Deutschen hapert

Beweise für die Kenntnisse in einer anderen Sprache helfen jedoch wenig, wenn’s am Deutschen hapert. Dessen sei man sich sehr bewusst, versichert Gudrun Bayer. So bietet die Theodor-Heuss-Schule neben dem normalen Deutschunterricht Förderunterricht in zwei Stufen an. Dabei kommt es nicht darauf an, welchen Zweig die Schüler besuchen. Egal ob junge Menschen mit Migrationshintergrund oder Deutsche: Im Förderunterricht werden ihre Schwächen ausgeglichen. Wer besonderes Talent zeigt, wird gefördert.

Auf mehreren Säulen ruht der Deutschunterricht neben der gängigen Grammatik: Zeitungsprojekte, der Möglichkeit Bücher auszuleihen, Autorenlesungen und Schulübergreifenden Lyrikprojekten. Gudrun Bayer erzählt, dass weniger stures Lernen als Spaß an der Sprache im Vordergrund steht. „Sie führen Interviews, schreiben Artikel und veröffentlichen diese auch.“ Die Begeisterung der Schüler, an diesen Projekten teilzunehmen, sei groß, berichtet sie.

Keine Probleme beim Auslandspraktikum

Wenn sie in Kürze mit der Schule fertig sind, wollen Mehmet, Claudio und Yahya studieren – Bauingenieurwesen oder Elektrotechnik. So ganz sind sie sich da noch nicht sicher. Die Bestätigung ihrer Kenntnisse in Italienisch und Türkisch wird ihnen vielleicht helfen, ein Praktikum im Ausland zu erhalten.

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