Unterschätzte Kreativität

Offenbach ‐ Die Offenbacher Kreativwirtschaft - ein Begriff, den die Politik bei jeder passenden Gelegenheit gerne wie eine Monstranz vor sich herträgt. Nach gängiger Vorstellung werden damit zum Beispiel weiträumige Ateliers in Hinterhöfen verbunden, in denen Kunstschaffende an ihren Unikaten werkeln. Von Matthias Dahmer

Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger hat da eine ganz andere Definition: Der „harte Kern der Kreativwirtschaft“ sind für ihn die mindestens 2500 Ingenieure, die in zahlreichen Unternehmen in Offenbach arbeiten und für Wertschöpfung sorgen. Das sei etwas, was „nicht immer sichtbar hier in extrem hoher Qualität funktioniert“, sagt er.

Deshalb sind Amberger und Kämmerer Michael Beseler gestern auch gerne der Einladung des Ingenieur- und Technologiedienstleisters Brunel GmbH im Kaiserlei gefolgt. Das weltweit tätige holländische Unternehmen, das seit drei Jahren in Offenbach ansässig ist und 90 Leute beschäftigt, ist für die städtische Wirtschaftsförderung so etwas wie ein vorzeigbarer Arbeitsnachweis.

So lobt denn auch Brunel- Niederlassungsleiter Norbert Grottke die Gespräche mit der Stadt, bei der man sich „gut aufgehoben“ fühlte, als es um die Ansiedlung ging. Das war für den Standort-Chef neben der guten Verkehrsanbindung einer der Hauptgründe, nach Offenbach zu kommen.

Chancen für künftige Ingenieure in Offenbach stehen nicht so schlecht

Jürgen Amberger spielt den Ball zurück und weist darauf hin, dass Brunel genau das macht, was im 2007er-Gutachten zur Kreativwirtschaft als wünschenswert erachtet wird: Früh Kontakt zu Hoschulabsolventen aufnehmen, um die attraktiven Seiten des Ingenieurberufs aufzuzeigen. Passieren wird dies auch am nächsten Dienstag, wenn Brunel zusammen mit dem Offenbacher Ableger des Kerntechnikunternehmens Areva zur fünften Auflage des Bewerbertages ins Alpha-Haus an der Strahlenbergerstraße einlädt (Anmeldungen: Tel.: 069/1539301-0). Zum Schwerpunkt Energietechnik erwarten die Organisatoren von 16 bis 20 Uhr um die 90 Interessenten, schätzungsweise einer Handvoll wird dabei schon ein Job angeboten.

Überhaupt stehen derzeit die Chancen für künftige Ingenieure in Offenbach nicht so schlecht. Alleine Brunel will laut Norbert Grottke im nächsten Jahr 30 bis 40 neue Arbeitsplätze schaffen. Areva und Siemens, ergänzt Amberger, planen jeweils um die 100 Leute einzustellen.

Dass der Ingenieursdienstleister trotz seiner eindeutiger Lage auf Offenbacher Hoheitsgebiet im Internet unter „Niederlassung Frankfurt“ firmiert, nehmen Amberger und Kämmerer Michael Beseler mit Fatalismus: „Frankfurt ist halt international eine Marke und namenstechnisch ein Riese“, sagt Beseler. „Das nehmen wir demütig und zugleich mit Selbstvertrauen zur Kenntnis“, meint Amberger.

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