Interreligiöser Dialog in der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde

Unterschiedliche Wege zu demselben Gott

Offenbach - (vs) Ein schier unerschöpfliches Thema beschäftigte Glaubensvertreter beim interreligiösen Dialog in der Baitul-Jame-Moschee: „Das Wesen Gottes in den verschiedenen Religionen“. Das islamische Gotteshaus der Ahmadiyya Muslim Jamat Gemeinde im Boschweg 7 bot eine angemessenen Rahmen für spannende Diskussionen, doch leider blieben viele Stühle unbesetzt.

Die Vorträge kamen an diesem Abend von Anja Harzke, Pfarrerin für Ökumene in der evangelischen Kirche Offenbach, Dagmar Patricia Kollmeier von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und von Hadaytullah Hübsch, Imam der Frankfurter Noor Moschee und Autor nicht nur religiöser Schriften. Das Kleeblatt wurde komplettiert von Imam Dr. Abdul Ghaffar, der sieben Sprachen spricht und den Koran zu deuten versteht wie kaum ein anderer.

Zuerst ermöglichte Anja Harzke einen aufschlussreichen Blick auf das christliche Gottesbild. Christen sehen in Gott den Schöpfer, der die Menschen als seine Ebenbilder schuf, und zwar unabhängig von Rasse, Kultur oder Geschlecht. Er ist ein Gott der Beziehung, da er einen Bund mit den Menschen schließt, vermittelt über die zehn Gebote, die viel Aufschluss über sein Wesen ermöglichen. „Die zehn Gebote machen klar, dass Glaube und Handeln unmittelbar zusammengehören“, so Harzke.

Quintessenz des christlichen Glaubens ist die Liebe. Jesus Christus hat sie vorgelebt und in der Bergpredigt gezeigt, wie sie aussehen kann. Christen sollen Gott von ganzem Herzen lieben und ihren Nächsten wie sich selbst. „Der Nächste ist dabei nicht nur ein Familienmitglied oder Bekannter, sondern immer gerade der Mensch, der vor einem steht“, erklärte Harzke. Gott könne uns in jedem Menschen begegnen.

Dagmar Patricia Kollmeier brachte eine Gruppierung innerhalb der christlichen Glaubensgemeinschaft näher, die vielen in ihrem Wesen weniger vertraut ist: Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde im Jahr 1830 von Joseph Smith in Utah gegründet. Sein Buch Mormon gilt den Mormonen neben dem Alten und Neuen Testament der Bibel als kanonische Schrift. Gott ist eine himmlische Vaterfigur, der die Qualitäten eines guten irdischen Vaters in sich vereint und seine Kinder, die Menschen, über alles liebt. Bevor sie auf die Erde kamen, waren sie als eine Art „Geistwesen“ bei Gott. Ihr physischer Zustand auf der Erde soll eine Zeit der Prüfung und Bewährung sein: „Die Menschen sollen während ihres Erdzustands lernen, wie Gott zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können“, sagte Kollmeier. Erst danach könnten sie bei Gott ebenfalls eine vollkommene, körperliche Form im Himmel erlangen, hätten aber schon auf der Erde aufgrund ihres Ursprungs einen göttlichen Kern. Gott spreche zu den Menschen, individuell und durch Propheten.

„Die Vorstellung, dass Gott ein Vater ist, ist dem Islam völlig fremd“, sagt Hadaytullah Hübsch. „Vater“ sei zu stark mit Männlichkeit verbunden, und Gott habe kein Geschlecht. „Männlich oder weiblich ist an sterbliche Wesen gebunden, im Paradies sind alle geschlechtslos“, ergänzt Dr. Abdul Ghaffar. Allah, nur wegen der grammatikalischen Vereinfachung ein „er“, sei ein Gott der Barmherzigkeit, der Verzeihung, der Geduld und der Reinigung. „Wer den Bund mit Allah eingeht, gelangt zur Glückseligkeit und letztendlich so zum Frieden“, sagte Hübsch. Sich von Gott abzuwenden, führe zu Neid, Missgunst und bösen Dingen im Leben. „Das Auftreten dieser Dinge sehen die Moslems wiederum als einen Gottesbeweis an.“

In der Diskussionsrunde wurde tiefer auf unklare und strittige Punkte eingegangen. Bei pakistanischen Spezialitäten wurden sich die Teilnehmer einig: „Wir glauben alle an denselben Gott, nur die Wege zu ihm sind unterschiedlich. Aber die Gemeinsamkeiten sind viel stärker als die Unterschiede!“

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