Unterwegs mit Banana Joe

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Mit einer in den Originalzustand versetzten Straßenbahn Baujahr 1969 machen die Verkehrsgesellschaft Frankfurt und Offenbach auf ihr Jubiläum aufmerksam.

Offenbach - „Historisch“ ist relativ. „Alt“ ebenfalls. Bei einem Fahrzeug des Baujahrs 1969 treffen beide Eigenschaften wohl zu. Aber jenes, in das gestern Frankfurter und Offenbacher Nahverkehrsmanager die Presse zur rollenden Konferenz bitten, ist noch nicht allzu lange im Ruhestand. Von Thomas Kirstein

Bis 2005 war die beige Straßenbahn fahrplanmäßig in Frankfurt unterwegs, auch auf der Linie 16 nach Offenbach. Zu ihrem 40. von der Verkehrs-Gesellschaft Frankfurt (VGF) wieder in den Originalzustand versetzt, rattert sie vom Frankfurter Südbahnhof zu Informationszwecken auf der Strecke der Linie 14 über Luisa nach Neu-Isenburg. Journalisten erfahren, was VGF und Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) anlässlich eines bedeutsamen gemeinsamen Jubiläums geplant haben.

„125 Jahre Busse und Bahnen zwischen Frankfurt und Offenbach“ steht auf den Anzeigen über den beiden Führerständen. 1884 verkehrte die erste elektrische Tram zwischen den Städten, initiiert von einem Offenbacher Konsortium; ab 1905 wurde die Linie lange Zeit gemeinsam von den Kommunen betrieben.

Seit ein paar Jahren hat sich der Kreis wieder geschlossen, wie die Geschäftsführer Werner Röhre (VGF) und Volker Lampmann (OVB) betonen: Beide Gesellschaften haben gemeinsame Tochterfirmen, Offenbacher Busse bedienen Frankfurter Linien.

Bei einem Halt an der Oberschweinstiege erntet die „125er“ Tram irritierte Blicke von wartenden Fahrgästen, die sich zu fragen scheinen, wie man ihnen ein derart betagtes Gefährt zumuten kann. Sie müssen aber nicht einsteigen und erfahren somit nichts von den Besonderheiten dieses Modells. Insider nennen es „Banana Joe“, wegen Farbe und doppeltem Führerstand. Dieser war wegen Streckenänderungen in Offenbach notwendig geworden: Der Endhalt der Linie 16 wurde 1969 vom Friedhof vorverlegt an den Marktplatz, wo es keine Gleiskehre gab, an der die bislang üblichen „Einrichtungsfahrzeuge“ hätten wenden können. Das damals neue „Großraum-Zwei-Richtungs-Fahrzeug“ ist aus einem weiteren Grund historisch: „O-Wagen“ (die VGF benennt ihre Tram-Generationen nach dem Alphabet) sind die letzten, bei denen die Fahrgäste noch Treppchen steigen müssen. Schon die nächste Baureihe bietet niveaugleichen Einstieg.

Nostalgie-Fahrten im „Banana Joe“ für jedermann gibt es während der „Nacht der Museen“ am Samstag, 25. April.

Das und die spürbar sanftere Luftfederung sind nicht der einzige Komfort, der hinzugekommen ist, wie die Mitfahrer an diesem heißen April-Mittwoch hautnah spüren. Klimatisiert sind Straßenbahnwagen erst seit 2003. Im 1969er kühlt lediglich der Fahrtwind, wenn die Oberlichter gekippt sind.

Nostalgie-Fahrten im „Banana Joe“ für jedermann gibt es während der „Nacht der Museen“ am Samstag, 25. April. Er und drei weitere Trams ab Baujahr ’55 verkehren im Halbstundentakt vom Zoo über den Römer zum Verkehrsmuseum in Schwanheim. Dort ist dann die Ausstellung zu sehen, die 125 Jahre gemeinsame Frankfurt-Offenbacher Verkehrsgeschichte dokumentiert (am 6. Juni zieht die Präsentation zur „Offenbacher Woche“ ins OVB-Zelt und anschließend ins Rathaus um). Und dort ist auch zu bewundern, was am Anfang rollte: Eine „Knochemiehl“, Deutschlands erste von einer Oberleitung und nicht mehr über die Schienen mit Strom gespeiste Tram. Baujahr ab 1884. Richtig historisch. Und richtig alt.

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