Unterwegs als Botschafter

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Beim offiziellen Pressetermin übergab Uta Zapf einen Koffer an Oliver Jenschke (links), damit er bestmöglichst auf seine Reise vorbereitet ist. Aber was packt man für einen einjährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ein? Tipps konnte da vielleicht sein „Vorgänger“ geben.

Bürgel - Keine Sorge, Dr. Klaus Scharioth erwächst keine Konkurrenz aus Bürgel. Und dennoch: Oliver Jenschke nimmt in gewisser Art dessen Job wahr. Dr. Scharioth ist der deutsche Botschafter in Washington. Von Anuschka Ross und Martin Kuhn

Bewusst als „junge Botschafter“ werden die Jugendlichen betrachtet, die am Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) teilnehmen. Und genau das macht der 17-Jährige. Gestern startete der Rudolf-Koch-Schüler nach Arcanta, einer Küstenstadt im US-Bundesstaat Kalifornien. Und nicht nur die Eltern sind wohl ein wenig neidisch: „Da wäre ich jetzt auch lieber...“

Der Reisetag steht schon lange fest - seit Februar weiß der junge Bürgeler, dass er beim PPP dabei ist. Was vielleicht auf den ersten Blick erstaunt: Entscheidend und Voraussetzung für die Teilnahme ist keinesfalls eine gute Englisch-Note. Gefragt ist vielmehr ein gutes und breites Stück Geschichte und Staatskunde; eben das, was ein Botschafter mitbringen und vermitteln sollte. Dazu hat Oliver Jenschke reichlich Zeit: Für zwölf Monate weilt er in der 17 000 Einwohner zählenden Stadt.

In Offenbach besucht er die 11. Klasse der Rudolf-Koch-Schule, ist Mitglied im Stadtschülerrat, wo er gerne „Schule mitgestaltet, sowie Aktionen und Umfragen vorbereitet“. Auf die Idee, sich für ein Auslandsjahr in den USA zu bewerben, kam eigentlich seine Mutter Babette Jenschke. Nachdem der 17-Jährige sich im Internet informiert hatte, bewarb er sich dann vergangenen Spätsommer beim PPP. Das Programm des Deutschen Bundes schickt jährlich rund 400 Jugendliche nach Amerika und kommt für Unterkunft und Reise auf. Um die jungen Leute kümmert sich ein Pate - in diesem Fall die SPD-Bundestagsabgeordnete Uta Zapf.

Wer die künftige Gastfamilie des Offenbachers ist, wird mittels verschiedener Fragebögen ermittelt, die Familie und Schüler ausfüllen müssen. Anzugeben sind beispielsweise Hobbys und Charaktereigenschaften. Nach diesen Kriterien wird eine passende Familie gesucht. Wohin es geht, kann sich keiner der jungen Botschafter aussuchen. Immerhin ist ein kleines Sicherungs-System installiert: Sollte es mit der Gastfamilie überhaupt nicht harmonieren, gibt es für die Schüler einen Ansprechpartner vor Ort und die Möglichkeit, sofort auszuziehen.

Büffeln und Sport treiben im Wechsel

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Oliver hofft jedoch, dass er sich gut mit seiner Familie verstehen wird und dass er das Jahr genießen kann. Schön wäre es für den erfolgreichen Ruderer, wenn man gleiche Interessen hätte und die Gastfamilie es ihm ermöglicht, „meinen Lieblingssport weiter zu betreiben“. Schon seit mehreren Jahren ist der 17-jährige Mitglied im Wassersportverein Bürgel und trainiert seit drei Jahren zwischen 20 und 25 Stunden wöchentlich. Das Training hat sich gelohnt: Im vergangenen Jahr wurde er Deutscher Meister im Leichtgewichtsvierer. Auch wenn’s mit dem Rudersport nicht klappen sollte in Kalifornien, „bleibe ich auf jeden Fall sportlich aktiv“.

Am meisten freut sich der Jugendliche aber auf all die neuen Erfahrungen und erhofft sich von seinem Ausflug „neue Sichtweisen“. Er war noch nie zuvor in den Staaten und ist gespannt darauf, was ihn erwartet. Bestärkt hat ihn auf jeden Fall seine Mutter, die in etwa dem gleichen Alter in Amerika weilte. Einig sind sich Oliver, seine Eltern und Uta Zapf, dass es auf jeden Fall ein Jahr wird, dass der junge Mann so schnell nicht vergessen wird.

Ach ja: Von der Schule kann sich der Bürgeler keineswegs erholen - im Gegenteil. In sonnigen Kalifornien besucht er die Arcata High-School - ebenfalls in der 12. Klasse, die im amerikanischen Bildungssystem die Abschlussklasse bildet. So kann Oliver vielleicht schon einmal einen Eindruck davon bekommen, was ihn dann im Prüfungs-Stress des hessischen Abiturs erwartet. Das Schuljahr wird dem jungen Mann dabei nicht angerechnet. Zurück in Offenbach, steigt er wieder in die 12. Klasse ein. Und nicht einmal längere Sommerferien sind ihm vergönnt. In Arcata startet wie in Offenbach am Montag, 24. August, das neue Schuljahr: „The first bell will ring at 8:10 a.m...

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