Unvorstellbare Liebe

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Die Mitarbeiter der Offenbacher „Tafel“ freuen sich über den städtischen Sozialpreis, der ihnen gestern Abend von Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann verliehen wurde. In den Händen halten die Auszeichnung Edith Kleber (links) Chefin der Frankfurter „Tafel“, und Christine Sparr, Frontfrau des Offenbacher Ablegers.

Offenbach (mcr) ‐ Die 1020 Euro Preisgeld sind schon für Benzin verplant. Es wird selbstverständlich nicht lange reichen; noch so viele Lebensmittel wollen gerade vor Weihnachten mit den Transportern und dem Kühlauto eingesammelt werden.

Doch die Worte des Offenbacher Stadtverordnetenvorstehers Erik Lehmann werden sich in den Köpfen der Geehrten noch lange wohltuend verzinsen. Lehmann hat der Offenbacher „Tafel“ gestern im Namen der Stadtverordnetenversammlung den Ferdinand-Kallab-Preis verliehen.

Eigentlich ist der Preis natürlich an die „Frankfurter Tafel – Bereich Offenbach“ adressiert. Doch was Christine Sparr, Wegbereiterin und Frontfrau der Versorgungsinstitution für arme Offenbacher, in den vergangenen sechs Jahren aus einem kleinen Ableger gemacht hat, ist natürlich längst weit mehr als eine Dependance.

Das Wirken Sparrs und ihrer Mitstreiter - namentlich Essaoudi Abdelilah, Carmen, Sarah und Dennis Sparr, Ingrid Koch, Slavica Vrdoljak, Anastasia Becker, Heike Bergler und Wolfgang Diel sowie Edith Kleber als Vorstand der Frankfurter Tafel - hat den Offenbacher Sozialausschuss überzeugt, der Tafel den Preis „für vorbildliche soziale, ehrenamtliche Arbeit durch die Versorgung von bedürftigen Familien, Einzelpersonen und Alten mit Lebensmitteln“ zuzugestehen.

Hauptquartier der Tafel ist das Gemeindehaus der Marienkirche in der Krafftstraße. Anfangs verteilten die Helfer dort wöchentlich gespendete Lebensmittel an 70 bis 80 Familien; mittlerweile ist die Zahl der Betreuten auf weit mehr als 200 Haushalte gewachsen. Lehmann: „Diese riesige Arbeit bewältigt eine 12-köpfige Gruppe, unterstützt von einigen weiteren freiwilligen Helfern. Dazu ist nicht nur voller persönlicher Einsatz und organisatorisches Geschick nötig.“

Da sei bei der Tafelmannschaft „vor allen Dingen die menschliche Seite ganz wichtig, Herzenswärme, ein freundliches Wort und viel Verständnis für diejenigen, die zu Ihnen kommen.“ Die Akteure könnten sich „Gott sei Dank in deren Situation einfühlen, denn unter Ihnen gibt es einige, die eigene harte Erfahrungen als Arbeitslose oder Hartz-IV-Empfänger gemacht haben.“

Über sich hinaus gewachsen seien indes nicht alleine die Macher selbst, sondern mit ihnen ein soziales Netzwerk, betonte Lehmann. Dreimal wöchentlich klingelten an der Marienkirche etwa 100 Menschen, um ihre Lebensmittelpakete zu erhalten, Tendenz steigend. 30 Haushalte seien über die neue Ausgabestelle in der Neusalzer Straße versorgt; zu 15 alten oder behinderten Menschen fahre Wolfgang Diel die Pakete aus. Mit Lebensmitteln versorge die Tafel außerdem die italienische Mission von Don Paolo, Kindergärten, eine Schule und soziale Einrichtungen.

Dabei arbeite die Tafel nicht isoliert, sondern „in enger Verbindung mit anderen sozialen Einrichtungen“. Da schließe sich der Kreis in der Erinnerung an den Offenbacher Arzt Dr. Ferdinand Kallab, nach dem der Preis benannt ist. Er betreute ein halbes Jahrhundert unentgeltlich das Theresien-Kinderheim und hielt noch im hohen Alter Nachtwache bei Frischoperierten im Ketteler-Krankenhaus.

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