Männer in Wechseljahren

US-Band Limp Bizkit rockt Stadthalle mit Pepita-Hut und Bart

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Fred Durst hat es momentan nicht leicht: Den Frust scheint er sich in Offenbach von der Seele zu schreien.

Offenbach - Die Nu-Metal-Veteranen von Limp Bizkit rockten die Offenbacher Stadthalle. Zu hören gab es Hits und Improvisiertes - aber nichts Neues. Von Achim Lederle 

Fred Durst macht den Batman und trägt unter dem obligaten Basecap einen langen und grau durchwirkten Bart, Gitarrist Wes Borland wandet sich weißgeschminkt-verschmiert wie Batmans Gegenspieler Joker. Sein an Bob Dylan gemahnender Pepita-Hut nervt ihn offensichtlich und wird mehrfach in die Ecke gefeuert, aber er gehört schließlich zum abendlichen Styling. Die Herren von Limp Bizkit machen Station in Offenbach, zwischen diversen Festivals und ohne neues Material im Gepäck. Die proppenvolle Stadthalle bebt von Beginn an, Crowdsurfing und Pogo-Tanz inklusive. Fred Durst hat die Fans wie immer im Griff, mit viel belanglosem Dialog und Rapper-Gestik; Borland bearbeitet sein Instrument wie eh und je göttlich. Aber irgendetwas ist anders bei diesem LB-Konzert: Das Ganze wirkt gekonnt und souverän, aber auch gänzlich uninspiriert.

Von „Rollin’“ bis „Take A Look Around“ werden die Hits runtergenudelt, nach nicht einmal anderthalb Stunden hat der Gig dann ein Ende - ohne Zugabe. Die Besucher in der Stadthalle scheinen über die Setlist gut informiert und gehen ohne Murren nach Hause - im Hintergrund läuft (kein Witz!) in Discolautstärke „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees. Es verwundert bei diesem Auftritt kaum, dass das neue LB-Album „Stampede of the Disco Elephants“ heißen soll. Kleines Problem: Die Platte wird seit 2013 angekündigt, soll jetzt Ende 2015 erscheinen. Aber dies ist alles noch höchst unklar, weil selbst Borland nicht weiß, welche Titel Durst bereits eingesungen hat, wie in einschlägigen Blogs zu lesen war.

Limp Bizkit in der Stadthalle Offenbach: Bilder

Und der Rest der Band: Der kongeniale DJ Lethal ist 2012 ausgestiegen, am Dienstag fehlt auch überraschend Bassist Sam Rivers und wird von einem durchaus talentierten, aber selbst dem Konzertveranstalter unbekannten Berliner Musiker ersetzt. Einmal fällt Fred Durst etwas aus der einstudierten Rolle, bedankt sich mehrfach enthusiastisch bei seinen treuen Fans und betont, dass es für die Band zurzeit nicht einfach sei. Diese Aussage nimmt man ihm tatsächlich ab.

Es klingt alles sehr nach Midlife Crisis, was LB zu bieten hat. Aber ein Trost für Fred Durst und Co.: Jede Lebenskrise geht vorbei, und auch das Alter kann für Künstler sinnvolle Beschäftigungen bieten. Borland könnte dermaleinst ungeschminkt, aber mit Hut die Gitarre für Bob Dylan zupfen. Und Fred Durst macht den Richie Havens und singt „Freedom“. Dazu muss der Bart noch ein bisschen wachsen. Aber das wird schon...

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