An Offenbachs Schulen

Vandalismus: Wutausbrüche für 30.000 Euro

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Offenbach - Das Thema ist unerwünscht. „Nein, das haben wir nicht, früher vielleicht“, lautet der Tenor bei Schulleitungen auf die Frage, ob und in welcher Form es Zerstörungswut und Vandalismus seitens der Schüler an ihrer Bildungseinrichtung gibt. Von J. Bieniek und V. Schade 

In Zeiten sinkender Schülerzahlen wollen sie sich nach außen im besten Licht darstellen – zerstörte Toiletten, beschmierte Wände und zerschlagene Fenster passen nicht ins gewünschte Bild. Doch wie erklären sich die Stimmen von Schülern, die von teils schlimmen Verhältnissen berichten? Eine frühere Schülerin einer Offenbacher Gesamtschule erinnert sich: „Zeitweise war es extrem. Manche Toiletten hatten keine Türen, die Wände waren beschmiert, es lag Müll rum, weil die Behälter kaputt und völlig überfüllt waren, unter manchen Toiletten waren Rohre undicht. Der Gestank war kaum auszuhalten.“ Seife und Klopapier habe es nie gegeben; wer es brauchte, bediente sich am Hausmeisterbüro aus einem Spender. Im Klassenraum waren die Tische beschmiert, „und wenn man in die Aula kam, war alles vermüllt“.

Auch Schüler anderer Schulen berichten von absichtlich gefluteten Toiletten, eingetretenen Trennwänden, abgebrochenen Fenstergriffen, geworfenen Stühlen oder ausgelösten Feuerlöschern und eingeschlagenen Hausalarmmeldern.

Reparaturen und Instandhaltung

Für Reparaturen und Instandhaltung der Schulen ist das städtische Gebäudemanagement (GBM) zuständig. Es tut sich schwer mit Angaben über Vandalismusschäden. „Wir führen darüber keine Statistik, da oft nicht eindeutig erkennbar ist, ob es sich tatsächlich um Vandalismus handelt“, sagt Sprecherin Kerstin Reimann. Pro Jahr seien ungefähr 80 Meldungen zu Glas- und 100 Meldungen zu sonstigen Schäden zu verzeichnen. Nach einer Befragung an den Schulen ist schließlich die Rede von 13 Vandalismusfällen (also erwiesener mutwilliger Zerstörung) im Jahr 2011, zehn Fällen 2012 und neun Fällen im vergangenen Jahr. Meist seien weiterführende Schulen betroffen, vor allem Gesamtschulen. Die jährlich entstehenden Kosten lägen bei 30.000 Euro. „Diese werden über das Instandsetzungsbudget der städtischen Liegenschaften abgedeckt“, so Reimann.

Stadtschulamtsleiter Thomas Löhr spricht ebenfalls von einer schwierigen Definition von Vandalismus. Ursachenforschung sei schwierig, oft gehe etwas aufgrund von Abnutzung kaputt. „Die Toiletten bereiten die größte Sorge, aber diese entziehen sich naturgemäß der Überwachung.“ Wenn sich jemand schlecht behandelt fühle, breche dies meist auf dem stillen Örtchen heraus. Zudem sei die Lage der Schule entscheidend. „Ist sie abends ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche, sind Schmierereien und Beschädigungen wahrscheinlicher.“ Regelmäßig würden Vorstöße unternommen, etwa mit neuer Ausstattung wie Seifenspendern. „Kaum sind sie montiert, werden sie wieder zerschlagen – eine Sisyphusarbeit für Hausmeister und GBM“, seufzt Löhr. Generell jedoch erhöhten Sanierungen und vor allem eigene Renovierungsprojekte die Hemmschwelle der Schüler.

Weiterführende Schulen in Offenbach

Weiterführende Schulen in Offenbach

Diese Erfahrung bestätigt Fanni Mülot, Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule. „Wir haben AGs für soziales Engagement, dabei haben die Schüler selbst Wände gestaltet. So ist die Schule zu ihrem Ort geworden.“ Und dieser werde besser behandelt: „Die Fälle sind erheblich zurückgegangen.“ Dennoch gebe es nach wie vor „Dreckecken“, was für sie mit der Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes und altem Mobiliar zusammenhängt. „Wenn der Putz von der Decke kommt und Schüler auf 50-jährigen Stühlen sitzen, ist es für sie ein Signal, dass dies nichts wert ist.“ In der neuen Cafeteria gebe es keine Probleme.

Auch Iris Kamarowsky, Leiterin der Edith-Stein-Schule, verweist auf eine Projektwoche, bei der Schüler die Gänge bemalt haben: „Diese Schülerleistung wird von den anderen akzeptiert und in Ruhe gelassen.“ Laut der Leiterin werde selten etwas kaputt gemacht: „Nach der jüngsten Zeugnisausgabe hatten wir zwei eingeschmissene Scheiben, sonst steht so was nicht bei uns auf der Tagesordnung.“ Das größte Problem seien die Toiletten. „Die Abzüge funktionieren nicht gut, es müffelt darin.“ Für Ruth Anderson von der Bachschule ist ein wichtiger Aspekt dafür, dass es an ihrer Schule keinen Vandalismus gebe, die Beschäftigung von drei Sozialarbeitern. „Schüler finden bei uns andere Wege, ihre Gefühle zu äußern.“

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