Variationen alla Turca

„Multiphonics Festival“ in Offenbach eröffnet  

Offenbach - In der Alten Schlosserei des Offenbacher Energieversorgers EVO soll künftig eine „etwas andere, überraschende Kulturreihe“ ausgebaut werden. Von Detlef Kinsler 

Das „Multiphonics Festival“, dessen Initiatoren Annette Maye und Jens Eggensperger sich der Verbreitung kreativer Klarinettenmusik verschrieben haben, passte da bestens ins Konzept. Das Doppelkonzert mit dem Ensemble FisFüz und dem Taksim Trio zeigte zudem, dass Qualität und ein vermeintliches Nischenprogramm ein Publikum finden. Mit „Mozart im Morgenland“ begaben sich Annette Maye (Klarinette), Gürkan Balkan (Oud, Gitarre, Gesang) und Murat Coskun (Rahmentrommeln) auf eine fiktive Reise, in deren Verlauf sich Wolfgang Amadeus nicht nur am Hofe des Sultans für seine „Entführung aus dem Serail“ inspirieren ließ, sondern auch Musiker kidnappte.

So hoffte er sein geplantes Singspiel authentischer gestalten zu können. Eine schöne Idee, die in der Konfrontation von Mozart-Melodien und türkischen Themen kreativ ausgelebt wurden, zumal die Soloinstrumente, so auch mal eine Bassklarinette zur arabischen Kurzhalslaute, die Rollen der Darsteller übernahmen. Als Zugabe gab es dann den Gassenhauer „Rondo alla Turca“.

Trotz deutscher Solistin und österreichischem Komponisten klang das Ensemble FisFüs überraschenderweise „orientalischer“ als das Taksim Trio. Klarinettist Hüsnü Senlendirici, Kanunspieler Aytaç Dogan und der Mann an der Balama, Ismail Tunçbilek, sind im Herzen Weltmänner. Was leise begann und wie eine Sufi-Mediation wirkte, entwickelte sich zu einer urbanen, absolut zeitgenössischen, dynamischen Musik, in der man Klassik-, Jazz- und Folkmotive ausmachen konnte.

Bilder: Open-Air-Konzert „20 Jahre Kulturinitiative Maximal“

Das Taksim Trio ist längst eine Kategorie für sich, in einem traumwandlerisch sicheren Zusammenspiel von drei gleichberechtigten Virtuosen werden für die Instrumente oft eher atypische Spielweisen favorisiert. Die türkische Laute ist elektrisch verstärkt, die Klarinette auch elektronisch verfremdet. Wenn Tunçbilek fein gesetzte Akkorde auf seiner Baglama setzt, könnte daraus auch ein Beatles-Song entstehen. Dogan interpretierte seine Kastenzither Kanun zwischen zarter, Harfen-ähnlicher und perkussiver Hackbrett-Ästhetik und ließ sich im Dialog mit seinen beiden Mitstreitern auf atemberaubend schnelle Unisono-Passagen ein.

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