Amtsgericht Offenbach verhängt sechs Monate auf Bewährung wegen Beihilfe

Vater bezichtigt sich als Drogenhändler

Ein Fall von väterlicher Liebe dürfte Richter Manfred Beck untergekommen sein: Ein 53-jähriger Offenbacher hat wohl ein halbes Jahr auf Bewährung auf sich genommen, um seinen Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren.

Akten liegen vor Beginn eines Prozesses am Platz des Vorsitzenden Richters.

Offenbach -Vor dem Amtsgericht steht der bislang Unbescholtene, weil er in seiner Wohnung einen florierenden Drogenhandel betrieben haben soll. Im August 2018 hatte die Polizei bei ihm knapp 100 Gramm Marihuana und Haschisch gefunden, was nicht mehr als geringe Menge gilt. Das gibt der Mann auch freimütig zu. Verteidiger Onur Türktorun macht zunächst klar, dass der Angeklagte alle Schuld auf sich nehme.

Oberstaatsanwalt Alexander Homm und Richter Manfred Beck haben daran allerdings ihre Zweifel. Denn da ist Sohn M., einschlägig vorbestraft und bei einer weiteren Verurteilung wohl länger hinter Gittern verschwindend. „Mein Mandant betont, sein Sohn hat mit der Sache nichts zu tun“, erklärt Anwalt Türktorun. Von der Polizei entdeckte Spuren des Sohnes rührten daher, dass der junge Mann vorher die noch leeren Tüten angefasst habe.

Im Zeugenstand erzählen Polizisten, man habe seinerzeit Wind davon bekommen, dass es in der Offenbacher Wohnung des Angeklagten zugehe wie im Taubenschlag. Junge Männer seien dort ein- und nach weniger als zwei Minuten wieder ausgegangen. Schließlich fingen Beamte solche „Kurzzeitgäste“ ab. Alle hatten geringe Mengen Cannabis einstecken. Einer packte aus: In einer Kneipe ums Eck habe er nach Stoff gefragt, man habe ihn „zu M.“ geschickt. Also zum Sohn des Angeklagten.

Im Wohnzimmer fand die Polizei dann eine Feinwaage und szenetypische Cliptütchen mit Marihuana. In einer Sporttasche lagen weitere knapp 50 Gramm Marihuana. Der spätere Angeklagte, M.s Vater, habe entspannt gewirkt, sagen die Beamten aus – und sich selbst zum Drogenhändler erklärt. Sein abwesender Sohn habe damit nichts zu tun. Die Polizisten haben ihm das nicht abgenommen, wie sie dem Gericht erklären. Die Indizien untermauern ihre Zweifel: An keinem der Tütchen findet sich eine väterliche Spur, wohl aber mehr als eine von Sohn M.

Oberstaatsanwalt Homm stellt bei der Verhandlung fest, dass der Angeklagte zwar gestanden habe, dies aber nicht glaubwürdig gewirkt habe. Der polizeilich unbescholtene Vater wolle seinen Sohn vor weiterer Strafverfolgung schützen. Allerdings habe der Angeklagte den Drogenhandel in der Wohnung nicht unterbunden. Dies erfülle den Tatbestand der Beihilfe. Homm fordert zehn Monate Haft auf Bewährung.

Am Ende hält der Verteidiger die Mär seines Mandanten nicht mehr aufrecht. Richter Manfred Beck und die beiden Schöffen verhängen sechs Monate Gefängnis auf Bewährung in einem minder schweren Fall von Beihilfe: „Ihr Sohn war der eigentliche Hintermann.“  man/tk

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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