Leuchten kommen auf den Prüfstand

Offenbach - Ein feines Surren ist in dem schwarz gestrichenen Raum zu hören. Das Geräusch macht der 2,5 Tonnen schwere Drehspiegelgoniophotometer, an dem neben einem riesigen runden Spiegel auch eine Halterung befestigt ist, in der wiederum eine LED-Leuchtleiste montiert ist. Von Sonja Thelen

Immer wieder dreht sich der Spiegel in verschiedenen Winkeln, um die Lichtverteilungskurven zu messen, erläutert Dietmar Gläser, Leiter des gestern neu eröffneten VDE-Testzentrums für Lichttechnik in der Offenbacher Merianstraße. Auf einer Fläche von 300 Quadratmetern können die Experten des VDE-Instituts mit Hilfe modernster Messeinrichtungen wie Ulbrichtkugel, hochauflösende Spektrometer, Doppelmonochromatoren und eben des Drehspiegelgoniophotometers Lichtquellen vermessen und bewerten. Eine Million Euro hat der „Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik“ investiert. Zentrale Aufgabe der 25 Mitarbeiter des Testlabors ist es, in einem für Handel und Verbraucher zusehends unübersichtlichen Markt an Lichttechnik den Durchblick zu bekommen. Angesichts umwälzender Veränderungen im Bereich der Lichttechnik, dem Ende der Glühlampe und den verschiedensten LED- oder OLED-Leuchten sowie Energiesparlampen sind die Verbraucher verunsichert, erläuterte Wilfried Jäger, Sprecher der VDE-Geschäftsführung anlässlich der Eröffnung des neuen Testzentrums für Photo- und Spektrometrie, und betonte: „Wir begleiten die LED-Revolution an vorderster Front.“

Das neue Testlabor soll vor allem dazu beitragen, die eingereichten Leuchtkörper zu prüfen und zu zertifizieren, gegebenenfalls die vom Gesetzgeber formulierten Qualitätsstandards weiter zu entwickeln, zu forschen und Bewertungsstandards sowohl für Hersteller als auch für Handel und Verbraucher transparent zu machen, fasste Manfred Disser zusammen, der beim VDE den Kundeservice für die Bereiche Leuchten und –komponenten leitet. Um dieses Gütesiegel – ein Performance-Quality-Label (PQL) - für LED-Leuchten zu erstellen, haben sich 13 Firmen aus der Licht- und Leuchtenindustrie sowie fünf Forschungseinrichtungen, darunter der VDE, die TU Darmstadt, die TU Ilmenau, die FH Hannover und die FH Bielefeld für ein bis 2013 befristetes Projekt zusammengeschlossen, das am VDE-Institut angesiedelt ist. Ziel ist es, Standards für LED-Produkte zu entwickeln, auf deren Grundlage ein Qualitätsbewertungszeichen erstellt werden soll.

Bei der Diskussion über Energieeffizienz und Einsatz von LED seien in den vergangenen Monaten der Verbraucher und seine Bedürfnisse zu kurz gekommen, ergänzte Testlaborchef Dietmar Gläser und unterstrich: „Dabei ist die Beleuchtung für den Menschen gemacht.“ Dieser Aspekt müsse in dem Testzentrum in den Fokus gerückt werden. Kriterien wie vernünftige Ausleuchtung und Lichtwärme seien relevante Gütemerkmale, die verstärkt zu berücksichtigen seien. Klar definierte und verbindliche Qualitätsstandards für LED-Lampen, die an eine Zertifizierung gekoppelt sind: Das fordert auch der Vertreter der Herstellerseite, Norbert Wittig vom Fachverband Licht im Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Deutsche Hersteller für Lichttechnik seien weltweit führend. Eine ausgezeichnete Qualität sei für sie der Maßstab. Daher sei der ZVEI „dankbar für die Kooperation“ mit dem VDE.

Rubriklistenbild: © dapd

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare