Velo-Klau unter dem Videoauge

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Vorsicht, wenn ein solches Rad günstig unter der Hand angeboten wird: Es ist sehr wahrscheinlich Diebesbeute.

Offenbach - Daniel Riehling hat eigentlich alles richtig gemacht - und doch innerhalb eines Vierteljahrs zwei Fahrräder der Marke Raleigh an Langfinger verloren. Von Thomas Kirstein

Das erste (Aspen-Trekking) war knapp acht Monate alt und verschwand, obwohl abgeschlossen, von der Terrasse eines eingezäunten Grundstücks in der Brahmsstraße. Das zweite (Aspen-Mountain) vermisst der Student seit Freitag der „Offenbacher Woche“. Abhanden kommt es ihm, obwohl Ort, Umstände und Vorkehrungen dies unwahrscheinlich erscheinen lassen: Die Stadt ist nicht nur voller gewöhnlicher Menschen, sondern auch von etlichen patrouillierenden Polizisten gesichert; er kettet sein Rad in der Frankfurter Straße mit einem qualitativ hochwertigen Kabelschloss an - „kein Discounter-Bindfaden“ - an einen Ständer zwischen Kaufhof und Saturn; ein Schild versichert ihm, dass die Stelle videoüberwacht sei.

2007 wurden in der Stadt 608 Räder gestohlen, 214 Fälle konnten geklärt werden. 2008 waren es 701 Fahrraddiebstähle, davon 59 geklärt.

Daniel Riehling (0179 4946594) hofft, dass sein Fall die 2009er Aufklärungsstatistik beeinflusst: Er setzt eine Belohnung von 150 Euro für Hinweise aus, die ihm sein Rad wiederbringen.

Hat alles nichts genutzt - in Offenbach wird auch geklaut, was niet- und nagelfest ist; hochwertige oder hochwertig wirkende Räder lässt man besser entweder daheim oder nicht aus den Augen: Als er nach zwei Stunden gegen 22 Uhr heimfahren will, fehlt ihm das Verkehrsmittel. Er versucht, den Schaden einer Fußstreife zu melden, aber offenbar gestresste Beamte lassen ihn mit Hinweis aufs zuständige Revier recht barsch abblitzen. Tags darauf erstattet er Anzeige und wird freundlicher behandelt: Ja, die Ermittlungsgruppe werde sich auch die Videoaufzeichnungen anschauen, möglich, dass der Fahrraddiebstahl festgehalten sei...

Möglich, aber nicht sicher: Die Kamera in der Fußgängerzone liefert zwar Bilder auf Polizei-Monitore, bietet aber keine Vollzeitüberwachung. „Die schwenkt alle zwei Minuten“, weiß Polizeisprecher Henry Faltin. Ein gewisser Zufall bestimmt also, was gespeichert wird. Die Dateien überschreiben sich selbst, aber nicht so früh, dass sie nicht noch ein paar Tage eingesehen werden könnten. „Wenn eine Straftat passiert ist, machen wir das immer“, sagt Faltin.

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