Drei kommunale Schwimmbäder schließen in den 1990er Jahren

Veraltete Technik und Methan sorgen für das Aus

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Altes Stadtbad

Offenbach - Die Geschichte der lokalen Schwimmbäder ist eine leidvolle – gerade in der jüngeren Vergangenheit. Nachgeborene oder Zugezogene vernehmen bisweilen eher erstaunt, dass es in der Stadt mehr als ein privat betriebenes Waldschwimmbad, das in den Wintermonaten mit einer Gummiblase überdacht wird, gegeben hat.

-   Ein privater Verein eröffnete 1887 an der Kirchgasse das Stadtbad. Wannen-, Brause- und Dampfbäder grenzten an die Schwimmhalle. Dazu wurde seinerzeit das Mainwasser mit Dampfkesseln erhitzt. Die Offenbacher, die in ihren Wohnungen kaum über Badezimmer verfügten, haben das offenbar gern genutzt, denn 1899 entschloss der Verein sich zur baulichen Erweiterung. Erst 1905 nahm die Stadt das Bad in ihre Obhut – für 167.000 Mark. 1913 betrug der städtische Beitrag zum Betrieb 27 000 Mark.

Parkbad

-  Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wird das Parkbad an der Berliner Straße am 15. April 1961 eröffnet. Charakteristisch war die von Adolf Bayer entworfene geschwungenen Fensterfront. Die heute bescheiden anmuteden Baukosten: vier Millionen Mark. Dafür gab’s ein 25-Meter-Becken, das von 1,30 auf 3 Meter Wassertiefe abfiel, ein halbovales Planschbecken und einen Drei-Meter-Turm.

- Das Ende der Innenstadt-Bäder folgt in den 1990er Jahren. Weil beide Einrichtungen aufgrund ihrer veralteten Technik zuletzt reine Zuschussbetriebe und fürs finanzschwache Offenbach nicht mehr zu finanzieren waren, hatte das Stadtparlament im Juli 1991 dem Verkauf des Herrnstraßen-Areals für 18,5 Millionen Mark an die Schörghuber-Gruppe zugestimmt, die ein Hotel und das Stadtforum errichteten.

Bildergalerie: Offenbach damals und heute

Tambourbad

-  Das 1967 eröffnete Tambourbad mit seiner Liegewiese, der Wasserrutsche und dem Sprungturm galt lange Zeit als eines der modernsten Bäder Hessens. Das Bad musste 1994 jedoch geschlossen werden, da der Standort schlecht gewählt war: Von einer früheren Hausmülldeponie im Untergrund des Geländes stiegen Methan-Gase auf, die den Betrieb unmöglich machten. Das Areal blieb das Gelände in den folgenden 15 Jahren weitgehend sich selbst überlassen, diente unter anderem als Drehort für TV-Krimis. 2009 übernahm die Sport- und Freizeit GmbH Offenbach (SFO) das Gelände, um im Auftrag der Stadt das moderne Sportzentrum „Am Wiener Ring“ zu bauen.

-  Allenfalls geschichtliche Randnotiz sind die Pläne, am Tambourweg ein kombiniertes Spaß- und Sportbad zu errichten. Ende der 80er, als sich das Aus der Bäder abzeichnet, schätzt der Magistrat die Kosten auf 60 Millionen Mark. Die Pläne verschwinden schnell wieder in den Schubladen... (mk)

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