Verantwortungsvoller Dirigent

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Uwe Laska an seinem Arbeitsplatz in der Leitstelle der OVB. Im Herzstück des Unternehmens werden wichtige Entscheidungen gefällt – vor allem nachts oder am Wochenende, wenn der Verkehrsmeister auf sich allein gestellt ist.

Offenbach - Uwe Laska strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Das ist eine gute Voraussetzung für seine Arbeit in der Leitstelle der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB), bei der es manchmal ganz schön rund gehen kann. Dann lastet jede Menge Verantwortung auf den Schultern des Verkehrsmeisters. Von Simone Weil

Das „Herzstück des Unternehmens“, wie es der stellvertretende Betriebsleiter Rainer Schulz nennt, hält den Betrieb aufrecht. Deswegen ist es im Drei-Schicht-System rund um die Uhr mit einer Person besetzt. Insgesamt acht Verkehrsmeister verrichten in der Leitstelle ihren Dienst. Sie sind ständige Ansprechpartner der Busfahrer. Per Funk können beispielsweise Tariffragen geklärt werden. Auch holen sich die Kollegen in den Bussen Hilfe, wenn ihre Ortskenntnisse mal nicht ausreichen und ein Fahrgast eine Adresse sucht.

Vor allem sind die Mitarbeiter der Leitstelle verantwortlich für die Koordination und Disposition. Sie weisen den Kollegen, die ihren Dienst an der Hebestraße beginnen, den jeweiligen Bus zu. Sie managen Umleitungen wegen Unfällen oder Wasserrohrbrüchen. Wenn es außerhalb der Bürozeiten zu Krankmeldungen kommt, sorgen sie für eine Vertretung. Fällt ein Bus aus, beschaffen sie möglichst schnell Ersatz. Das bedeutet, dass die Verkehrsmeister über weitreichende Kompetenzen verfügen. Dabei kümmern sie sich nicht nur um die Busse der OVB, sondern auch um die Fahrzeuge der Schwestergesellschaften Main Mobil Offenbach und Main Mobil Frankfurt GmbH.

Unterstützung bekommen die Mitarbeiter in der Leitstelle, die ihren Posten ja nicht verlassen dürfen, von einem Außendienstler, der nachts mit einem Pkw unterwegs ist. „Der ist das Auge des Verkehrsmeisters“, sagt Uwe Laska. Der mobile Kollege hat eine Werkzeugkiste im Auto, um kleinere Defekte an den Bussen reparieren zu können.

Der Mann vor Ort steht im Notfall auch den Busfahrern zur Seite, wenn es zu brenzligen Situationen kommt. Denn immer wieder geschieht es, spätabends oder nachts, dass diese angepöbelt oder sogar tätlich angegriffen werden. Laska: „Gerade auf den letzten Fahrten hat man es immer wieder mit Betrunkenen zu tun oder mit Fahrgästen, die eingeschlafen sind. Da ist es ganz gut, wenn man Unterstützung hat.“

Über Funk informiert der Fahrer die Leitstelle, die den Außendienst zu einem Treffpunkt dirigiert. Auch wenn ein Bus liegen bleibt oder es einen anderen unerwarteten Vorfall gibt, klärt der Kollege vor Ort, wie verfahren wird. Zu den unerwarteten Ereignissen zählen auch plötzliche Sterbefälle, die es hin und wieder schon gegeben hat, wie Rainer Schulz erzählt.

Enge Zusammenarbeit mit der Polizei

Um Hilfe bittet auch mal die Polizei: Bei Fahndungen gibt sie Zeugenbeschreibungen per Funk durch. Schließlich sind von den insgesamt 220 Busfahrern (inklusive der Frankfurter Linien, die von den OVB bedient werden) täglich etwa 150 Personen unterwegs. Die sehen unterwegs so einiges – manchmal eben auch flüchtige Täter.

Eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei gibt es auch bei Fußballspielen, bei denen mit Ärger zu rechnen ist“, sagt der Verkehrsmeister. Da werden zusätzliche Fahrzeuge angefordert, die die gegnerischen Fans ohne Zwischenstopp vom Stadion zum Bahnhof oder zu den S-Bahn-Stationen befördern.

Prompte Reaktionen seitens der OVB-Leitstelle sind auch gefragt, wenn S-Bahnen ausfallen und sogenannte Schienenersatzverkehre einspringen müssen. „Da können wir ganz schnell reagieren“, versichert der stellvertretende Betriebsleiter.

Seit 20 Jahren ist Uwe Laska bei den OVB beschäftigt, seit sechs Jahren arbeitet er als Verkehrsmeister. 14 Jahre lang hat 54-Jährige selbst auf dem Bus gesessen. Er weiß also, was draußen los ist. Inzwischen kennt er die nächtlichen Dienste in der Leitstelle, bei denen man fast einschläft. Doch plötzlich ist schnelles Reagieren gefragt. Wie damals, als er die Busse weiträumig umleiten musste, weil an der Frankfurter Straße Gas ausgetreten war.

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