„Verband verzerrt den Wettbewerb“

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Die Second-Hand-Händlerinnen Kirsten Bohge, Susan Ernstberger und Pia Hopp-Rapp haben nichts gegen die guten Taten der Caritas, doch dass sie deren Sozialkaufhaus für Kleider durch den Einzelhandelsverband direkt vor ihre Nase gesetzt bekamen, stimmt sie bedenklich. Zumal die Laufkundschaft zuerst das „Luischen“ und deren Tiefstpreise sieht und so vielleicht gar nicht erst in den Hinterhof zu den anderen Läden gelangt.

Offenbach - Seit 20 Jahren gibt es im Hinterhof der Kaiserstraße 32-34 zwei Second-Hand-Läden. Doch jetzt fürchten die heutigen Betreiberinnen um ihre Existenz. Im neu eröffneten Caritas-Kleiderdienst (nicht nur) für Bedürftige in der Caritas in der Kaiserstraße 36 sehen sie eine eklatante Wettbewerbsverzerrung. Von Thomas Meier

Besonders betroffen sind sie darüber, wer ihnen da die ehrenamtliche Konkurrenz quasi vor die Nase setzte: Eigentümer und damit Vermieter von Haus Nummer 36 ist der Einzelhandelsverband (EHV) für Stadt und Kreis. „Der sollte doch auf Händler wie uns Rücksicht nehmen“, lautet die Kritik.

Doch die ficht EHV-Geschäftsführer Horst-Günter Flick nicht an. Er sieht keinen Konflikt zwischen den Aufgaben des Verbands und der Vermietung an die Caritas-Tochter „Cari-Job“: „So ist halt die freie Marktwirtschaft.“

Pia Hopp-Rapp vertreibt in „Kleider-Wechsel“ Gebrauchtmode für Frauen, Susan Ernstberger und Kirsten Bohge haben in „fein gemacht“ Kinder- und Herrenmode. Sie hätten schon damit zu kämpfen, dass sie im Hinterhof überhaupt wahrgenommen würden, klagen sie. Und jetzt habe direkt nebenan Cari-Job eröffnet. In den beiden großen Schaufenstern zur Straße hin hatte bis zur Kündigung durch den EHV Berthold Weinschrod seinen Hingucker „Skulptur artdeco & design“. Jetzt wird dort gespendete Kinderkleidung angeboten. „Für’n Appel und’n Ei“, wie die Betreiber der Second-Hand-Läden nebenan bemerken.

Billig-Look ist indes nicht angesagt. Eine Architektin gestaltete Schaufenster und das Innere des „Luischens“ genauso professionell wie die beiden im Hinterhof der Kaiserstraße 36 gelegenen Cari-Job-Läden für Frauen- und Herrenkleidung.

Da können wir gar nicht mithalten, nicht mit den Preisen, denn wir müssen unsere getragenen Kleider ja kaufen und bekommen sie nicht geschenkt, und auch nicht mit der Werbung. Die graben uns schon auf der Straße die Kundschaft ab“, lautet die Kritik. Und weiter: Der EHV habe an die Caritas vermietet, weil er so seine Räume von Ein-Euro-Jobbern kostengünstig saniert bekommen habe.

Das streitet Geschäftsführer Flick ab: „Wir haben die Räume vermietet, weil sie leer standen. Hätte Cari-Job die Räume nicht bei uns bekommen, dann in anderen leer stehenden Häusern in der Kaiserstraße.“ Eine Billig-Sanierung habe es nicht gegeben.

Die Chefin des Caritas-Kleiderdienstes, Anette Gehr, sieht ihr Geschäft überhaupt nicht als Konkurrenz für die Nachbarn: „Wir legen bei uns sogar die Werbung der Second-Hand-Läden aus.

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