Blick hinter die Kulissen

Verbrecher jagen in HD: Neue Videoüberwachung für Polizei in Offenbach

Die Aufnahmen der hochauflösenden neuen Kameras lassen Lothar Haack und seine Stadtpolizisten selbst kleinste Details erkennen.
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Die Aufnahmen der hochauflösenden neuen Kameras lassen Lothar Haack und seine Stadtpolizisten selbst kleinste Details erkennen.

16 neue Videokameras machen Kriminellen das Leben in Offenbach schwer. Statt wie bisher in Krisselqualität beobachtet die Polizei Täter nun in Extrem-Auflösung.

Offenbach – Es sind nur ein paar Klicks und schon hat Lothar Haack auf den zwei riesigen Bildschirmen in der Einsatzzentrale der Stadtpolizei die beiden jungen Männer, die im Lauterborn in einer Passage verdächtig gestikulieren, herangeholt. „Die sind 250 Meter entfernt von der Linse“, sagt Haack. Der Stolz in der Stimme des Stadtpolizeichefs ist kaum zu überhören. Aber in jeder einzelnen Kamera arbeiten bis zu acht einzelne Optiken in unterschiedlichen Brennweiten. „So können wir quasi verlustfrei innerhalb der Bilder zoomen.“

Ein entscheidender Vorteil zu den alten Modellen. Da mussten sich Haacks Leute mit Krisselbildern zufrieden geben, auf denen wenig zu erkennen war. Jetzt sieht man die beiden Verdächtigen in Vollauflösung. Die Gesichter gestochen scharf. Sie scheinen zu verhandeln. Würden jetzt ein verdächtiges Paket und Geldscheine die Besitzer wechseln, man könnte wohl die Summe zählen.

Neue Videoüberwachung in Offenbach: Ungeahnte Möglichkeiten für Polizei

Im aktuellen Fall bleibt es zwar beim Gestikulieren. Aber das ist laut Haack nicht immer der Fall. Vor allem Schlägereien hätten die Stadtpolizisten häufiger im Visier, aber auch Straßenraub im Lauterborn und Marihuana-Handel, vornehmlich am Marktplatz.

Die neue Zentrale im Polizeipräsidium am Spessartring.

Die neuen Fähigkeiten der Kameras eröffnen sowohl der Stadtpolizei, als auch der Landespolizei ungeahnte Möglichkeiten. Denn die Bilder der 16 Hightech-Linsen laufen zeitgleich in der Stadtwache und auch bald in der Einsatzzentrale des neuen Polizeipräsidiums am Spessartring auf. Natürlich sitze kein Kollege 24 Stunden am Stück vor den Bildschirmen und beobachte, ob er was Verdächtiges entdecke. „Aber im Hintergrund laufen de Bilder permanent“, stellt Haack klar.

16 Video-Kameras für Polizei Offenbach: „Kollegen rennen gleich raus“

Typisch seien etwa Situationen, bei denen sich aus einem Streit erst ein Gerangel und dann eine Schlägerei entwickelt. „Wenn wir da schon die Anfänge entdecken, rennen die Kollegen gleich raus und können der Sache Einhalt gebieten.“

Entdecken Haack und seine Leute etwa ein Drogengeschäft, alarmieren sie sofort die Landespolizei. Zeitgleich behalten die Kollegen vor den Bildschirmen die Situation im Auge. „Oft flüchten die Verdächtigen dann beim Eintreffen der Streife“, berichtet Haack. „Aber wir können dann vor allem mit unsere schwenkbaren Panoramakameras genau verfolgen, in welche Richtung sie abhauen und geben das an die Streife weiter.“

Riesiger Ermittlungsvorteil: Polizei in Offenbach durch neue Kameras im Vorteil

Mindestens genauso wichtig sind die neuen Kameras beim nachträglichen Ermitteln von Delikten. Besonders Fahrraddiebstähle oder Straßenraub zählten dazu, sagt Haack. Bis zu 14 Tage bleiben sämtliche Aufnahmen nämlich gespeichert, bevor sie aus Datenschutzgründen gelöscht werden müssen. Dazu weist Haack auf die streng gefassten Datenschutzregeln hin. „Wir unterliegen da peniblen Vorschriften und dürfen nur bei einem konkreten Verdacht auf die gespeicherten Bilder zugreifen und diese dann auch dauerhaft sichern.“ In den 14 Tagen bieten die neuen Geräte so einen riesigen Ermittlungsvorteil. „Wir können innerhalb der Aufnahmen genau rein und rauszoomen, wie in der Liveaufnahme“, erklärt Haack. „Das Gesicht eines Schlägers etwa könnten wir dann theoretisch genau im Video erkennen und es als Beweis sichern“, sagt Haack.

Kameras am Stadthaus.

Was den Drogenhandel angeht, räumt der Stadtpolizei-Chef ein, dass die neuen Geräte auch nicht allmächtig sind. Wenn sich Verdächtige verhüllen, können die Kameras natürlich auch nichts erkennen. „Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Täter das bisher relativ wenig kümmert“, berichtet Haack aus der Praxis. „Vielleicht wird sich das aber noch ändern“, sagt er. „Nämlich dann, wenn die ersten Kriminellen am eigenen Leib gemerkt haben, wie leistungsfähig unsere neuen Kameras wirklich sind.“ (Christian Reinartz)

Auf brutale Übergriffe, wie vor Kurzem auf eine Seniorin in Offenbach, können die Beamten der Polizei mit ihren neuen Videokameras künftig schneller reagieren.

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