Verbrecherische Phantasie

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Der Trickbetrüger, der am Donnerstagnachmittag versuchte, eine 77-jährige Offenbacherin mit einer besonders phantasievollen Lügengeschichte über den Tisch zu ziehen, muss also umso intensiver hoffen, dass die Polizei ihn nicht erwischt.

Offenbach ‐ Für Kreativität gibt es vor Gericht keinen Strafnachlass. Der Trickbetrüger, der am Donnerstagnachmittag versuchte, eine 77-jährige Offenbacherin mit einer besonders phantasievollen Lügengeschichte über den Tisch zu ziehen, muss also umso intensiver hoffen, dass die Polizei ihn nicht erwischt. Von Marcus Reinsch

Seine Chancen stehen leider gut. Ermittlungstaktisch ein Fluch: Es gibt in diesem Fall nicht mal eine schlechte Täterbeschreibung. Niemand, auch die letztlich unbeschadet davon gekommene Seniorin, kennt das Gesicht des Kriminellen. Der Unbekannte rief sein Opfer an.

Er gab vor, ihr Neffe zu sein und gerade mächtig in der Klemme zu stecken. Nach einem bösen Verkehrsunfall sitze er bei der Polizei fest und müsse den unnachgiebigen Beamten mehrere Tausend Euro bezahlen, um seinen Führerschein behalten zu dürfen. Die Tante möge den Betrag doch bitte schleunigst zur Verfügung stellen, um ihm aus der Bredouille zu helfen.

Ganoven-Pech: Die 77-Jährige zählt zwar viele Jahre, aber nicht zu den leichtgläubigen Menschen. Sie beschied dem „Neffen“, dass sie erstmal mit seiner Ehefrau sprechen wolle. Das gefiel dem Betrüger offensichtlich überhaupt nicht; zumindest legte er sofort auf und verriet damit seine wahre Absicht. Die Kriminalpolizei sendete der Seniorin am Wochenende ein großes Lob: „Völlig richtig gehandelt.“ Es könne gar nicht genug „vor diesen schauspielerisch begabten Betrügern, die sich oft durch ein gepflegtes, höfliches Auftreten und eine lange Liste mit Tricks das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen“, gewarnt werden.

Präventive Tipps für den Fall der Fälle liefern die Ermittler gleich mit: Wer es am Telefon mit einem dubiosen „Verwandten“ zu tun bekommt, sollte sich erst bei einem richtigen Verwandten rückversichern. Falls sich die Sache so nicht klären lässt, ist ein Anruf bei der Polizei fällig, um das weitere Vorgehen abzusprechen. Unter keinen Umständen sollte ein Opfer selbst Detektiv spielen und sich mit dem Anrufer oder dessen Gesandten verabreden, um ihm eine Falle zu stellen.

Im aktuellen Fall hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Wer dazu konkret etwas beitragen oder beispielsweise mit dem mutmaßlich gleichen Täter zu tun hatte, wählt Tel.: 069 / 80981234.

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