Im Verbund Stärke ausspielen

Offenbach - (ddü) Alle acht Wochen schwingt sich Horst Schneider nach Dienstschluss auf sein Fahrrad und radelt quer durch die Stadt zu einem Vereinsheim oder einem Gemeindesaal, einer Gaststätte oder einem Jugendzentrum.

Dort trifft er dann auf seine Bürger. Die einen wollen nur mal hören, was sich im Stadtteil so tut, andere sind gekommen, um sich zu beschweren: Über zu hohe Bordsteine und zu wenig Spielplätze, über Radfahrer auf den Gehwegen und Falschparker vor ihrer Haustür. Am Dienstag gastierte der „OB vor Ort“ im Boxclub Nordend auf dem ehemaligen Hafengelände.

Der Oberbürgermeister will sich bei diesen Terminen an der Basis erkundigen, wo den Offenbachern der Schuh drückt und Anregungen mit ins Rathaus nehmen, aber auch für seine politische Agenda werben. So erzählt der Oberbürgermeister, dass er jeden freien Euro in Bildung und Erziehung investiert, dass allein bis 2011 rund 120 Millionen Euro in die Instandsetzung und Renovierung der 32 Schulgebäude im Stadtgebiet fließen. „Wir sind eine junge Stadt, die noch immer wächst“, sagt Schneider. „Die Investitionen im Bildungssektor sind für uns deshalb ohne Alternative.“

Aufwertung des öffentlichen Raums

Sein zweites Hauptanliegen ist die Aufwertung des öffentlichen Raums. Kulturkarree und Kaiserstraße, Martin-Luther-Park und Sophie-von-la-Roche-Platz nennt der Verwaltungschef als Beispiele für gelungene Sanierung. „Offenbach hat nur eine Zukunft, wenn wir aus der Innenstadt heraus attraktiver werden“, so Schneider. Die Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM in der kommenden Woche bedeute einen „Qualitätssprung im Einzelhandel“. Er möchte auch die Wohnqualität in Offenbach heben, vermisst hier jedoch bisweilen den Mut der Inhaber. „Ich bin überzeugt, dass es wieder eine starke Nachfrage nach städtischem Wohnen gibt“, so Schneider. Nur leider traue sich im Moment niemand, zu investieren.

Dann lässt der Oberbürgermeister den Blick über die Grenzen der Stadt schweifen und formuliert ein programmatisches Ziel: Offenbach müsse sich als selbstbewusster, aber integrierter Teil der Rhein-Main-Region verstehen und im Verbund seine Stärken ausspielen.

Niederungen der Kommunalpolitik

Als sich die ersten Anwohner der umliegenden Straßen zu Wort melden, geht es ganz schnell wieder hinab in die Niederungen der Kommunalpolitik. Ein Hausmeister beschwert sich über eine Gruppe Trinker, die sich regelmäßig vor einem Supermarkt in der Ludwigstraße versammeln, angeblich Passanten belästigen und Dreck auf die Straße werfen. „Warum lässt man es so weit kommen?“ fragt er. Schneider weist den aufgebrachten Mann darauf hin, dass der öffentliche Raum zunächst einmal für alle da sei, ermutigt ihn aber, besondere Vorfälle bei der Stadtwache zu melden. Ein Senior aus der Lilistraße echauffiert sich über die Musik des Beachclubs auf der Hafeninsel – in manchen Sommernächten bekomme er kaum ein Auge zu. Ein etwas jüngerer Besucher lobt die Stranddisco hingegen als Aushängeschild für Offenbach, das Besucher aus der ganzen Region anziehe und somit Geld in die Stadt bringe.

In einer Großstadt müssen viele Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen miteinander auskommen – jeder einzelne muss da ein wenig zurück stecken“, versucht Horst Schneider hier zu vermitteln.

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