Den Atari ausprobieren

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Vorsitzender Falk Heinzelmann, Vize Stefan Pitsch und Öffentlichkeitsarbeiter Georg Klein (von links) sammeln Arcade-Automaten und Videospielkonsolen nicht zum Selbstzweck. Sie möchten ein Zentrum für digitale Kultur aufbauen.

Offenbach - Spaß am Entdecken will er wecken, in einem Mitmach-Museum begreifbare und benutzbare Exponate aus den Anfängen der digitalen Revolution präsentieren: Verein Digital Retro Park stellt sich vor. Von Harald H. Richter 

Der von Thiemo Eddicks 2009 in Oldenburg gegründete Computer-Museumsverein dient als Vorbild. Dessen Präsentation historischer Heimcomputer, Arcade-Automaten, Spielkonsolen und Flipper hat überregionale Strahlkraft. Die Geräte aus den Anfängen der digitalen Revolution sind funktionsbereit und mit Software ausgestattet, können benutzt, erforscht und erlebt werden. Eine solche Ausstellung gibt es bundesweit nur dort.

„Etwas in der Art möchten wir für die Rhein-Main-Region aufbauen“, beschreibt der Frankfurter Stefan Pitsch das Fernziel. Der stellvertretende Vorsitzende des um Gemeinnützigkeit bemühten Offenbacher Vereins Digital Retro Park (DRP) ist zuversichtlich, dass dies gelingt. Zunächst freilich muss die Werbetrommel für das ambitionierte Projekt gerührt werden, das auf spannende Interaktionen ebenso setzt wie auf Vermittlung hintergründiger Information. „Unser Vorhaben soll dazu beitragen, sich in der digitalisierten Welt zurechtzufinden und technische Hilfe aus vergangenen Tagen anzunehmen. Dazu greifen wir auf Wissen und Geräte zurück und wollen spielerisch den Bogen zwischen den Anfängen der Computergeschichte und dem aktuellen Stand der Technik spannen.“

Den Initiatoren schwebt vor, Schulen die Möglichkeit zu geben, den IT-Unterricht anschaulicher zu gestalten. „Wir wollen kein staubiges Museum mit Marmorboden und Schildchen errichten, sondern ein Erlebnis bieten“, lautet ihr Anspruch. Die Exponate soll jeder anfassen und benutzen können. „Geschichte und Technik werden im Wortsinn begreifbar.“

Hellhörige Politik

Die Politik ist hellhörig geworden, als das Stadtparlament im November über einen Antrag zum Verein Digital Retro Park zu befinden hatten. Im Ergebnis stimmte das Plenum dafür, Möglichkeiten auszuloten, wie eine solche Einrichtung dauerhaft etabliert werden kann. Nur soll sie die Kommunalfinanzen nicht belasten. Darum suchen die DRP-Mitglieder um den Vorsitzenden Falk Heinzelmann aus Offenbach Unterstützer sowohl in der Kreativszene als auch bei Wirtschaft, Bildungsträgern und weiteren Institutionen.

Es gilt, Örtlichkeiten zu finden und Mittel zu generieren. Die erhofft man sich von Sponsoren. „Wir versuchen auch Beihilfen von Bund und Land zu ergattern“, merkt Stefan Pitsch an. Die von der Aventis Foundation mit der Internetplattform Startnext entwickelte Crowdfunding-Initiative „kulturMut“ hat ebenfalls geholfen.

Vor einigen Monaten hat der 13 Mitglieder zählende Verein ein dauerhaftes Quartier bezogen, wo sich momentan jedoch nur ein harter Kern trifft. Der 21 Quadratmeter messende Raum in den Zollamt-Studios an der Frankfurter Straße 91 bietet nicht viel Platz. Wer sich darin umschaut, sieht: Da sind Computerfreaks zu Hause. Erst kürzlich trafen sich Interessenten zu einem 3D-Workshop, um im Handel nicht mehr erhältliche Ersatzteile für ihre nostalgischen Datenverarbeitungsgeräte nachzubauen, tüftelten an Commodore 64, Atari, Amiga und Co. herum.

Die kleine Mitmach-Werkstatt, in der repariert und Retro-Rechner wiederaufgebaut werden können, dient zweimal im Monat Soundbastlern als Experimentierrefugium. An der Internetpräsenz wird gearbeitet, um Anfang 2015 mit einem aufgehübschten Webauftritt an die Öffentlichkeit gehen zu können.

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Der Verein geht auf Aktivitäten des in Rodenbach beheimateten Vereins For Amusement Only und des Hanauer Netzwerk Clubs zurück. Beim einen dreht sich alles um elektronische und mechanische Arcade-Automaten, beim anderen stehen LAN-Partys im Mittelpunkt, die überregional Zulauf finden. Matthias Schmidt aus Wald-Michelbach kann auf einen stattlichen Fundus digitaler Technik zurückgreifen.

Heinzelmann und Pitsch wollen mit einer Ausstellung zwischen 11. Januar und 10. Februar in den Zollamt-Studios die breite Öffentlichkeit sensibilisieren. Von frühen Arcade-Automaten über Videospielkonsolen bis zu Heimcomputern der 80er- und frühen 90er-Jahre zeigt der Verein die Bandbreite des kreativen Outputs von Atari. „An Samstagen von 11 bis 18 Uhr sowie an Sonntagen von 12 bis 17 Uhr wird sie zugänglich sein“, kündigt der Vorsitzende an. Ein Kulturprogramm mit Musik, Vorträgen und anderen die Exposition erweiternden Besonderheiten rundet an Donnerstagen ab 20 Uhr die Präsentation ab. „Wir hoffen, dass wir Interesse wecken können.“ Dem ambitionierten Vorhaben kann das nur dienlich sein.

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