Ein Satz Trikots ist geblieben

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Um 7.15 Uhr geht der erste Notruf ein. Und der einzige: Darüber wundert sich die Feuerwehr. Denn um diese Uhrzeit sind schon viele Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit.

Offenbach ‐ Manfred Bassler ist erschüttert: Der stellvertretende Vorsitzende der Sportvereinigung Rot-Weiß Offenbach steht am Unglücksort und kann es kaum fassen. Von Simone Weil

„Für unseren kleinen Verein ist das eine Katastrophe“, sagt er. Ein Großbrand zerstörte gestern morgen das Quartier zwischen Mühlheimer Straße und Kuhmühlgraben in Höhe „manroland“. Der Schaden wird auf etwa 200.000 Euro geschätzt. Bis zum Mittag dauerten die Nachlöscharbeiten, die Verkehrsbehinderungen auf der stark befahrenen Mühlheimer Straße zur Folge hatten, da diese teilweise gesperrt werden musste.

Fotos von den Löscharbeiten:

Vereinsheim abgebrannt

Das etwa 100 Quadratmeter große eingeschossige Gebäude, das aus einem gemauerten Teil und zusätzlichen Containern besteht, teilen sich die Fußballer mit ihren Kollegen von Italsud. Bei denen hat weniger das Feuer als das Löschwasser immensen Schaden angerichtet. Vorsitzender Carmelo Manoti bilanziert: „40 Jahre Geschichte sind weg, alle Fotos und Erinnerungsstücke. Außer der Erste-Hilfe-Tasche ist uns nur ein Satz Trikots geblieben, weil die in der Wäscherei waren.“ Der langjährige Vereinschef setzt jetzt auf seine Landsleute: „Ich hoffe, die werden helfen.“

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Feuer im Vereinsheim

Keine Bälle, keine Trikots, kein Trainingsmaterial und vor allem kein Dach über dem Kopf. Das sind die Verluste, die die beiden Fußballvereine zu beklagen haben. „Wir haben hier so viel Zeit und Geld reingesteckt“, klagt Bassler. Der Vereinsvize klingt wirklich völlig verzweifelt: „Wir hatten die Räume so gemütlich eingerichtet. Ich weiß gar nicht, wie wir das alles schaffen sollen. Das muss hier ja alles abgerissen werden.“

Glück im Unglück: Die Punktrunde ist fast zu Ende. Erst im März geht die Saison wieder los. Das verschafft den 45 Mitgliedern von Rot-Weiß, ihren zwei Herrenmannschaften in der Kreisliga C sowie den 70 Mitgliedern von Italsud und ihrer Herrenmannschaft in der Kreisliga B sowie ihrer C-Jugend in der Kreisklasse immerhin eine kleine Atempause.

Ein wenig Trost konnte Jürgen Weil bereits spenden. Der Leiter des städtischen Sportbüros hat Unterstützung zugesagt. Seine prompte Reaktion habe die betroffenen Vereinschefs immerhin ein wenig beruhigt und ihnen geholfen, sich von dem Schock zu erholen, loben sie.

Möglichst schnell Bauzaun aufgestellen

Heute um 17 Uhr wollen die Beteiligten zu einer ersten Bestandsaufnahme zusammenkommen. Weil: „Dann müssen wir uns in aller Ruhe Gedanken machen. Bälle und Trikots für den Spielbetrieb aufzutreiben, ist sicherlich nicht so schwierig.“ Beim Wiederaufbau des Vereinsheims auf dem städtischen Gelände mit Rasen- und Hartplatz sehe es da sicherlich schon anders aus. Wie immer, wenn es um Geld geht. „Da müssen wir erst einmal sehen, was wir machen können.“ Doch bei der Räumung der Fläche und der Entsorgung der Überbleibsel sei die Stadt sicher dabei.

Leider verfüge die Stadt nicht über Container, die er als schnellen Ersatz anbieten könnte, bedauerte Weil. „Wenn wir etwas mieten, muss es ja auch bezahlt werden.“ Solidarität erhofft sich der Mann aus dem Rathaus auch von der hiesigen Sportfamilie. Und tatsächlich kann Weil bereits mit einer guten Nachricht aufwarten: OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt hat für Frühjahr oder Sommer ein Benefizspiel auf dem Gelände am Wiener Ring zugesagt.

Möglichst schnell soll am Brandort ein Bauzaun aufgestellt werden, um Neugierige abzuhalten, auf dem Gelände herumzulaufen oder sich in den beschädigten Gebäuden herumzutreiben.

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