Auf dem Vergabekarussell

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Aushängeschild für den Weihnachtsmarkt: das neue Imbisshaus auf dem Stadthof.

Offenbach ‐ Mal schnell auf den Weihnachtsmarkt gehen. Den Ofen auslassen. So machen das in diesen Tagen Menschen, denen es Ende November nicht zu früh oder zu feucht ist für all die Festlichkeit. Von Marcus Reinsch

Tamara Most, eine geborene Tost, macht es genau andersrum. Sie lässt den Ofen aus, weil sie nicht auf den Weihnachtsmarkt geht. Und die ganzen Bräter, den Dunstabzug und den Holzkohlengrill auch. Keine Bratwurst aus Schwein oder Wildsau mehr, kein Nierenspieß, keine Pommes, basta. Lange Jahre hat ihre Familie mit einem Imbisswagen die Besucher des Offenbacher Weihnachtsmarktes gesättigt und sich selbst ernährt. Aber in diesem Jahr war kein Platz für die „Tost-Grillstation“.

Die Absage der „ProOF Veranstaltungsgesellschaft“, die den Weihnachtsmarkt in städtischem Auftrag auf die Beine stellt, kam am 29. Juli, zunächst ohne Begründung. Von Frank Tost aufgefordert, dieses „Nein“ doch bitte zu erklären, verwies „ProOF“-Chef Klaus Kohlweyer auf Zweifel der Vergabekommission an der Zuverlässigkeit der alteingesessenen Bratwurst-Bräter: „Da das Risiko zu groß ist, dass Sie kurzfristig ihren Imbissbetrieb verkaufen und wir einen exponierten Platz im Weihnachtsmarkt hatten, hat sich die Kommission für eine Neuvergabe entschieden.“

Den 13-Meter-Primus haben sie behalten wollen

Dass die Familie in jüngerer Vergangenheit andere, kleineren Geschäfte verkauft hat, sei ja richtig, sagt Most. Der Acht-Meter-Imbiss, den Fünf-Meter-Imbiss, die Schießbude seien weg. Aber den 13-Meter-Primus, dessen Schicksal die Kommission als so unklar einstufe, den habe sie behalten wollen, um vier Weihnachtsmarktwochen pro Jahr ihre Stammkundschaft zu bedienen. „Die Mädels von C&A, die jeden Tag kamen, die Rodgauer Jungs, die extra mit der S-Bahn herfuhren, um Nierenspieß zu essen, der Mann vom Kiosk…

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So oder so habe es außerdem, schrieb Kohlweyer, „ein Überangebot an Bewerbern für den Imbiss-Bereich“ gegeben, und auch langjährige Beschicker müssten „mit einer verminderten Zulassungschance rechnen, um Neuzulassungen zu ermöglichen“. Die auffälligste Neuzulassung ist der Imbiss, der jetzt schön wie ein Lebkuchenhaus dort steht, wo in den vergangenen Jahren die C&A-Mädels, die Rodgauer Jungs und der Kiosk-Mann bestellten. Die Firma Levi, auf dem Hugenottenplatz schon mit Reibekuchen vertreten, hat kräftig investiert, und weil an anderer Stelle des Marktes durch einen Trauerfall ein Standplatz frei gewesen sei, erklärte Kohlweyer gestern, habe die Vergabekommission „eine Entscheidung treffen müssen, wie man den Markt bestückt.“ Das Vergabekarussell drehte sich also - und Tamara Most flog aus der Kurve. Zwar habe ihr „ProOF“ letztlich doch noch drei Standorte vorgeschlagen. Doch einer sei nicht breit genug, einer mit nicht ausreichend belastbaren Platten belegt und einer „dort gewesen, wo die Leute nur hinfinden, wenn sie die Toiletten suchen“. Most lehnte ab. Und sagt, dass sie keinen „Bratwurst-Krieg“ anzetteln will. Es wäre ja nun nicht der erste in Offenbach gewesen. Doch für die Familie sei der Ofen aus.

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