Streit um die Nutzung des Tempelplatzes

Vergaloppiert im Reiterdorf: Eigentümer macht Ernst

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Während auf dem benachbarten Tempelplatz der Reit- und Fahrverein Rumpenheim wegen eines Streits mit dem Eigentümer weichen muss, grasen gestern auf dem Goldockerhof noch friedlich die Ponys. Doch auch dort ist die Zukunft ungewiss. Der Hof soll versteigert werden.

Offenbach - Es war ohnehin eine verfahrene Situation, jetzt gibt es wohl keinen Ausweg mehr: Der Reit- und Fahrverein Rumpenheim hat nach monatelangen Querelen die Nutzung des sogenannten Tempelplatzes vom Eigentümer des Geländes untersagt bekommen. Von Matthias Dahmer 

„Für mich ist die Zusammenarbeit mit dem Verein beendet, ich fühle mich an mein Mietangebot nicht mehr gebunden“, sagt der Eigner, der in einem Schreiben die Reiter auffordert, den Platz umgehend zu räumen. Beim Verein mit seinen 130 Mitgliedern herrscht derzeit Ratlosigkeit. Ein für April 2015 geplantes Turnier wurde abgesagt. Bereits Anfang Oktober hatte der Reit- und Fahrverein wegen des damals noch laufenden Streits mit dem Eigentümer sein traditionelles Geländeturnier kurzfristig gestrichen.

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Unerwartete Wirkung

Wie es nun weitergeht, ist unklar: „Wir müssen uns im Vorstand abstimmen“, meint die Vorsitzende Nora Brehm. Sicher ist: Ein adäquates Gelände ist im Reiterdorf Rumpenheim kaum zu bekommen. Zwar haben die Reiter noch einen Platz für Dressur und Springen in der Nähe des Mains, doch der ist kein Ersatz für das rund 28.000 Quadratmeter große Areal an der Clara-Grein-Straße. Schon bisher war das Vertragsverhältnis zwischen Verein und Platzeigentümer ein eher unklares: Der Pachtvertrag war schon vor einigen Jahren gekündigt worden, weil man sich nicht über die Höhe der Pacht hatte einigen können. Der Verein nutzte den Tempelplatz mit Duldung des Eigners weiter und hielt ihn dafür in Schuss.

Streitpunkt war und ist die Höhe der Pacht. 900 Euro pro Monat will der Grundstückseigentümer haben, die Berechnung basiere auf den gültigen Bodenrichtwerten, sagt er. Dieser Betrag ist für Vereinsvorsitzende Brehm indes „jenseits von Gut und Böse“. In einem Schreiben an den Eigentümer rechnen die Reiter vor, dass eine Jahrespacht von 236 Euro angemessen wäre, das sei auch der Betrag gewesen, mit dem 1982 das Vertragsverhältnis für die damalige „Sandwüste ohne Bewuchs“ begonnen habe. Der Verein schlägt vor, den gekündigten Pachtvertrag mit 1030 Euro pro Jahr wieder aufleben zu lassen. Als Pächter werde man zudem den Platz weiterhin instandhalten und pflegen, heißt es. Der Tempelplatz-Eigner empfindet den von den Reitern angebotenen Pachtzins samt seiner Begründung indes als Provokation, wie er sagt. Was die Pflege des unter Landschafts- und Denkmalschutz stehenden parkähnlichen Geländes angeht, werde er schon dafür sorgen, dass sich Spaziergängern weiterhin ein schönes Bild biete.

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Die Zukunft des Tempelplatzes ist vermutlich eng verknüpft mit dem Schicksal des benachbarten Goldockerhofs. Er soll nach Informationen unserer Zeitung zwangsversteigert werden. Ein diesbezüglicher Gerichtstermin ist beantragt. Ob der Eigentümer des Tempelplatzes auf den Goldockerhof schielt, lässt er bislang offen. Zweifellos wäre eine Arrondierung der Reitanlage mit ihrem weitgehend ungenutzten Potenzial für ihn sinnvoll. Eine Wohnbebauung auf dem Goldockerhof, so war aus dem Rathaus zu hören, wird indes – ebenso wie auf dem Tempelplatz – nicht möglich sein. Es handele sich gemäß Baugesetzbuch um eine Anlage im Außenbereich, wo nur sogenannte privilegierte Vorhaben, wie etwa landwirtschaftliche Betriebe, zulässig seien.

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