Tödliche Schüsse in Luisenstraße: Staatsanwältin fordert lebenslange Haft

Vergebliche Tatwaffensuche

Nach den tödlichen Schüssen wurde der Porsche des Opfers sichergestellt.
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Nach den tödlichen Schüssen wurde der Porsche des Opfers sichergestellt.

Offenbach – Der siebte Verhandlungstag im Prozess um tödliche Auto-Schüsse in der Offenbacher Innenstadt vor dem Landgericht Darmstadt ist ohne ein Urteil zu Ende gegangen. Am 9. Mai 2019 war die 44-jährige Frankfurter Geschäftsfrau Fatima T. in der Luisenstraße aus einem fahrenden Auto heraus erschossen worden, als sie ihren Sohn vom Sportunterricht abholen wollte.

Gefahndet wurde nach dem 43-jährigen Mohammed S., der wie sein Opfer marokkanische Wurzeln hat. Er stellte sich sechs Wochen später. In der letzten Verhandlungsrunde hatte S. endlich zugegeben, mit einer Pistole auf die Schwester seiner Ex-Freundin gezielt zu haben. Vor einer Woche sollte das Waffenversteck „ausgehoben“ werden.

Mit Staatsanwaltschaft, Strafanwältin und einem schwer bewaffneten Polizeiaufgebot fuhr man den Angeklagten von der JVA Weiterstadt in den Offenbacher Westen. Was man dort fand? Nichts. Ein dokumentarisches, mehr als eine halbe Stunde langes Polizeivideo der Aktion wird im Darmstädter Sitzungssaal gezeigt:

Im Grün neben dem Fußweg, der sich dem Ende des Grenzgrabens anschließt, will der geständige S. seine Pistole, das Sieben-Schuss-Magazin und eins seiner beiden Handys entsorgt haben. An Händen und Füßen gefesselt tippelt der groß gewachsene Marokkaner mit dem offiziellen Tross auf dem schmalen Asphaltweg Richtung Stadtgrenze. Er zeigt auf mehrere Stellen. Doch auch die anschließenden Mäharbeiten können den besagten Beweismitteln nicht ans Tageslicht verhelfen. Verschwunden oder hat der Mann nur geblufft?

Der Kriminalhauptkommissar des Offenbacher K11, der die Ortsbegehung leitete, erläutert Hintergründe: „Herr S. sagte uns, er habe noch nie vorher geschossen. Er habe dem Opfer die Waffe nur drohend zeigen wollen, als er mit dem Leihwagen neben ihrem Porsche hielt. Dabei habe sich ein Schuss gelöst.“ Nach der Tat sei er zu einem Bekannten in Frankfurt gefahren, der ihm eine Fluchtanschrift in Belgien gegeben habe. Unterwegs in Richtung Oberrad habe er die Waffe entsorgt.

Vier Geschwister sowie der verwitwete Ehemann treten als Nebenkläger auf. Der Vorsitzende Richter Volker Wagner will sein Bild vom Beschuldigten vervollständigen. Dazu sagt der 38-jährige Bruder des Opfers aus: „Er machte meine älteste Schwester dafür verantwortlich, dass die jüngere die Kraft fand, sich von ihm zu trennen, auch weil sie bei ihr wohnen konnte. Das ist natürlich Quatsch. Sie hätte genauso gut zu mir ziehen können.“

Eifersüchtig sei der Arbeitslose gewesen, vielleicht auch neidisch auf die gut verdienenden Geschwister. „Er rief F. dauernd an, oft mitten in der Dienstbesprechung. Als die Belästigungen nicht aufhörten, hat sie ein Gewaltschutzverfahren gegen ihn eingeleitet“, so der Zeuge. Fatimas Rechtsanwältin, die sich des Anliegens annahm, spricht den Angeklagten an: „Sie haben meine Freundin kaltblütig ermordet!“

Dieser Meinung ist auch Staatsanwältin Lydia Wurzel. Sie fordert eine lebenslange Haft wegen Mordes und stellt überdies die besondere Schwere der Schuld fest. Die Anwältinnen der Nebenklage, Friederike Vilmar und Waltraud Verleih, schließen sich dem Plädoyer der Anklagevertreterin an.

Von Silke Gelhausen

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