Prozessbeginn setzt Offenbacher Opfer zu

In eigener Wohnung vergewaltigt

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Offenbach - Laut einer jüngst veröffentlichten Studie werden nur acht Prozent der angezeigten Täter, denen eine Vergewaltigung zur Last gelegt wird, tatsächlich verurteilt. Opferverbände fordern eine genaue Untersuchung der Hintergründe. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Fehlverurteilungen unschuldiger Täter sind zwar sehr selten, sorgten aber für zusätzliche Vorsicht seitens der Strafkammern in diesen ohnehin schwierigen Verhandlungen: Das bekannteste Beispiel solch eines Justizirrtums ist das des Odenwälder Lehrers Horst Arnold, den eine Kollegin wegen einer erfundenen Vergewaltigung 2002 für fünf Jahre hinter Gitter brachte.

Eine Vergewaltigung, die sich am 22. Mai vergangenen Jahres in Offenbach ereignet haben soll, wird seit gestern vor dem Landgericht Darmstadt verhandelt. Der mutmaßliche Täter Mohammad Z. (33) aus München schweigt sich am ersten von fünf geplanten Verhandlungstagen aus. Sehr ausführlich und detailliert schildert dagegen die gleichaltrige Nebenklägerin ihre Erlebnisse. B. wird im Zeugenstand von einer Mitarbeiterin des Trauma- und Opferzentrums Frankfurt begleitet, wirkt bei ihrer Aussage gefasst.

Junge Mutter bricht in Tränen aus

Ein ganz anderes Bild zeigt sich jedoch in einer Verhandlungspause auf dem Flur vor dem Gerichtssaal: Dort bricht die junge Mutter neben ihrer Begleiterin und dem Anwalt in Tränen aus. So beschreibt B. die Geschehnisse: Am besagten Tag kommt sie mit ihrer damals zweijährigen Tochter vom Einkauf zurück in die Wohnung im sechsten Stock eines Hochhauses. Da sie erst das Mädchen in den Kleinkindstuhl im Wohnzimmer setzt, um danach die Einkäufe aus dem Kinderwagen im Hausflur zu holen, lässt sie die Wohnungstür offen stehen. Telefonklingeln hindert sie am sofortigen Ausräumen. Als sie dann, noch mit dem Hörer in Hand, zurückkommt, ist die Wohnungstür zu. Davor steht ein Mann in Drohgebärde mit ihrem Küchenmesser in der Hand. In gebrochenem Deutsch verlangt er 50 Euro von B.. Nach kurzem Hin und Her gibt ihm die Offenbacherin 55 Euro, glaubt, die räuberische Erpressung durch den Mehrbetrag heil überstanden zu haben.

Doch dem ist nicht so. Z. schlägt sie ins Gesicht und gibt ihr auf Arabisch zu verstehen, dass er mehr will: „Ich fick dich!“ B. versucht ihn davon abzubringen: „Ich hab ihn angefleht zu gehen, habe gesagt, dass das in Deutschland verboten sei und dass die Kleine Hunger habe!“ Geholfen hat das nicht. Mit dem Messer schlitzt Z. ihr die Hose auf – die Wunde am Gesäß muss später genäht werden –, reißt ihr Hose und Slip runter und drückt sie zu Boden.

Ihre Gegenwehr wird mit wiederholten Schlägen auf Kopf und Gesicht beantwortet. Er versucht sie zu küssen, dann vergewaltigt er sie. Danach steht der Täter auf, zieht sich die Hose wieder hoch und geht. Neben seelischen Wunden trägt B. zahlreiche blaue Flecken und eine blutende, geschwollene Lippe davon. Ärztlich dokumentierte Fotos der Verletzungen belegen ihre Aussage. Der Täter ist bereits mehrfach vorbestraft. Vorsitzender Richter Dr. Christoph Trapp zieht im Falle einer Verurteilung die Sicherungsverwahrung in Betracht.

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