Stadtgrün in der Fußgängerzone

Vergiften kranke Bäume Klima?

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Die Bäume in der Fußgängerzone sind ein Politikum.

Offenbach - Pilzbefall hat in der Fußgängerzone die Baumhaseln stark geschädigt. Nun sollen Säulenhainbuchen den Alleecharakter sichern. Von Martin Kuhn

Für Passanten und Geschäftsleute ist’s ein lästiges Ärgernis, die CDU erkennt einen mittleren Skandal, die Stadt wiederum unberechtigte Vorwürfe.

Der CDU-Stadtverordnete Roland Walter richtet an den Magistrat 24 Fragen – eine beachtliche Zahl. Vielleicht ist dieser detaillierte Fragenkomplex auch damit zu erklären, dass die Unionsfraktion in der jüngsten Stadtverordnetensitzung gescheitert ist mit ihrem Vorstoß, einen Teil öffentlicher (Stadtgrün-) Leistungen zu privatisieren. Für den Laien gleicht’s einem Knoten, den lediglich Fachleute für verwaltungsinterne und parlamentarische Verfahren auseinander fieseln können.

Drei unterschiedliche Kostenvolumina

Für Roland Walter ergeben sich jedenfalls zahlreiche Ungereimtheiten. So sagt der CDU-Politiker: „Inzwischen wurden drei unterschiedliche Kostenvolumina genannt, es sind offensichtliche Rechenfehler vorhanden, die Preise für die neuen Bäume erscheinen mir überzogen, aus fachlicher Hinsicht wurden mir gegenüber Zweifel an der Größe der gewählten Fundamente geäußert.“ Und dann spannt der Fraktionsvize einen weiten Bogen und fragt unter anderem: Wie und an welcher Stelle wirken sich die Auftragsvergabe beziehungsweise die Arbeiten auf die Haushaltspläne der Stadt Offenbach aus?

Hingegen ist Stadtsprecher Matthias Müller bemüht, der Angelegenheit alle Schärfe zu nehmen: „Eine Skandalisierung ist unangebracht.“ Die Stadt habe bei dem gestarteten Austausch der Bäume unbürokratisch, „aber im Rahmen geltender Vorschriften gehandelt“, außerdem sei ihr Etat geschont worden. Die verschiedenen Beträge, die für den Austausch genannt wurden, erklärt Müller so: Die ursprünglichen Kosten (270.000 Euro) beruhten auf einer ersten Kostenschätzung des Stadtbetriebs ESO. Bei der weiteren Planung ergaben sich Änderungen: Die Vergrößerung der Pflanzgruben konnte wegen zahlreicher Kabeltrassen und Rohre nicht umgesetzt werden. Dadurch reduzierte sich der Gesamtetat auf 200.000 Euro (kleinere Bäume, geringere Entsorgungskosten).

Bis zu 70 Prozent gefördert

Zwischenzeitlich sei die Bauleistung ausgeschrieben worden. „Das nicht öffentliche Submissionsergebnis mit Angeboten in einer enormen Bandbreite bewegt sich deutlich unter den vorläufigen Berechnungen“, betont Müller. In der  Summe etwa 150.000 Euro, die bis zu 70 Prozent gefördert werden. Das Land habe bei einer Ortsbesichtigung Ende August „von sich aus angeregt“, den zwischenzeitlich als unumgänglich erkannten Austausch der Bäume zu unterstützen.

Die neuen Bäume werden aus nicht abgerufenen Mitteln der Stadt Offenbach finanziert. Voraussetzung: Bis Ende November muss alles realisiert sein.

Der Erkenntnis der Union, die Bäume für ein Drittel des Preises in Baumschulen entdeckte, sei eine „Milchmädchenrechnung“. In den kalkulierten 600 Euro enthalten seien: Baum, Pflanzung, Erstdüngung, Erstbewässerung, Bewässerungsring sowie die garantierte Nachlieferung von zehn Prozent gleich großer Bäume, wenn es in den nächsten drei Jahren zu einem Ausfall kommt. Das ficht Walter nicht an: „Möglichen haushalterischen Ausflüchten des Magistrats und von Stadtkämmerer Horst Schneider ist unverzüglich Einhalt zu gebieten.“

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