Netzwerk fest versprochen

Offenbach - Über das Ziel eines effektiven Kinderschutzes sind sich alle einig, allein beim Weg gehen die Ansichten auseinander: Das Verhältnis zwischen den in Offenbach niedergelassenen Kinderärzten und dem Jugendamt ist nach wie vor angespannt. Von Matthias Dahmer

Dr. Matthias Gründler, Sprecher der insgesamt zehn Kinderärzte in der Stadt, wirft dem Leiter des Jugendamts, Hermann Dorenburg, mangelnden Kooperationswillen vor. Fest macht er das daran, dass der Behördenchef in den vergangenen Monaten mehrere Einladungen zu den regelmäßigen Treffen der Ärzte entweder ausgeschlagen oder gar nicht beantwortet hat.

Dabei, so Gründler, wäre ein Gedankenaustausch über den Umgang mit dem neuen Jugendschutzgesetz durchaus sinnvoll, zumal die Ärzte nach den Neuregelungen die „Schaltstelle“ seien. Ein weiteres sich anbietendes Gesprächsthema ist für den Kinderarzt die „Akkuratesse“ des Amts bei Telefonaten. Da wünscht sich Gründler, dass unter Beachtung der Vorschriften öfter mal der „kleine Dienstweg“ beschritten wird, um im jeweiligen Fall voranzukommen.

Gründler kann sich die Verweigerungshaltung des Amts nicht erklären. Zumal Jugendämter in anderen Kommunen, so sein Kenntnisstand, froh sein würden, wenn die Kinderärzte auf sie zukämen.

Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg ist angesicht der Vorwürfe hörbar genervt: „Ich fange an, mich zu ärgern“, sagt er. Er habe den Ärzten bereits im vergangenen Jahr bei einem Treffen in der Kinderklinik des Klinikums seine Sicht der Dinge geschildert. Danach habe er im übrigen keinen über die bisher schon funktionierende Zusammenarbeit hinausgehenden Koordinationsbedarf bei den Ärzten festgestellt.

Grundsätzlich begreift Dorenburg den Kinderschutz als professionelle Aufgabe, über die man sich nicht bei einem regelmäßigen Ärzte-Stammtisch austauschen könne. „Ich kann mich doch nicht am Stammtisch über Einzelfälle unterhalten. Dazu ist ein professioneller Kontext nötig“, betont er.

Auch dem Amtsleiter ist klar: Die Kooperation muss künftig auf institutionelle Füße gestellt werden. Dazu sei man nach den Vorgaben des Gesetzes verpflichtet. Zur Umsetzung des geforderten Netzwerks benötige man jedoch Geld, welches vom Land zu verteilen sei. Für 2012 seien 60 000 Euro avisiert, im nächsten Jahr werde wohl ein weiterer Betrag im ähnlicher Höhe fließen. Dorenburg: „Wenn das Geld da ist, wird das Netzwerk eingerichtet. Darauf können sich die Kinderärzte verlassen.“ Schon Anfang 2013 hofft er eine Steuerungsstelle für das Netzwerk einrichten zu können.

Trotz des anfänglichen Ärgers zeigt der Leiter des Jugendamts Verständnis für die Situation der Ärzte. Sie seien letzlich allein in der Verantwortung, wenn ihnen ein Kind auffalle. „Die Kinderärzte können sich mit uns über den Fall anonym beraten, aber die Entscheidung können wir ihnen dabei nicht abnehmen.“

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