Verhandlung vor Amtsgericht

Affe Bibi rechtswidrig auf Reisen

Offenbach - Affenjunge Bibi lebte glücklich bei einer Frau, bis das Veterinäramt vor der Tür stand. Die Haltung solch eines Tieres muss in Deutschland genehmigt sein. Notwendige Dokumente fehlten jedoch. Von Veronika Szeherova

Bibi schlief im Bett und trank Orangensaft mit dem Strohhalm. Der junge Berberaffe trug Windeln, manchmal ein Kleidchen, und ging, unter Frauchens Jackenkragen herausschauend, mit ins Café. „Ein glücklicher Affe“, meint die Angeklagte Farida B. Bis das Veterinäramt Offenbach vor der Tür stand und einen Herkunftsnachweis für das artengeschützte Weibchen verlangte. So nahm ein ungewöhnlicher Fall seinen Anfang, der gestern am Amtsgericht verhandelt wurde.

Das Affenjunge war ein Geschenk von Farida B.s damaligem Freund. Als die Behörden von der Berberaffenhaltung erfahren, suchen im Juli 2010 eine Mitarbeiterin des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt und ein Tiergesundheitsaufseher des Veterinäramts Offenbach Farida B.s Wohnung in Neu-Isenburg auf. „Sie war sehr zärtlich zu dem Tier“, erinnert sich die RP-Artenschutzsachverständige Claudia Zinth. Dennoch: Die Haltung eines solchen bedrohten Tieres muss in Deutschland genehmigt, die Herkunft klar nachweisbar sein. Farida B. weiß nur, dass Bibi aus Marokko stammt. Notwendige Dokumente wie eine Einfuhrgenehmigung oder einen Zuchtnachweis hat sie nicht.

Beschlagnahmtes Äffchen

Zinth und ihr Kollege greifen auf die Standardprozedur für solche Fälle zurück und beschlagnahmen das illegal gehaltene Äffchen. Sie nehmen es aber nicht mit, Bibi darf bei ihrer Besitzerin bleiben. Allerdings nur unter Verfügungsverbot. Heißt: Der Affe darf die Wohnung nicht verlassen, mit Ausnahme von Tierarztbesuchen. B. bekommt eine sechsmonatige Frist, die Einfuhrgenehmigung nachzureichen, zudem hat sie für artgerechte Haltung mit einem entsprechenden Gehege zu sorgen. Dann dürfte sie den seltenen Affen behalten. Doch ans Verfügungsverbot hält sich die Angeklagte nicht. Nicht nur, dass sie Bibi mehrfach in die Wohnung ihres Lebensgefährten und zugleich Verteidigers nach Konstanz bringt. Sie reist mit dem Äffchen nach Marokko, um die erforderlichen Nachweise nachträglich zu besorgen. „Ich wollte doch, dass sie legal ist“, argumentiert die angehende Rechtsanwaltfachangestellte, die mittlerweile bei ihrem Lebensgefährten in Konstanz lebt.

In Marrakesch bekommt sie jedoch statt der behördlichen Ausfuhrgenehmigung die tierärztliche Bescheinigung einer privaten Tierklinik. Vor Gericht beteuert die 27-Jährige, das nicht gewusst zu haben: „Ich bin in Deutschland geboren, kann kein Arabisch und kein Französisch. Ich dachte, das sei das richtige Dokument.“

Von Kamera gefilmt

Zwei Tage nach ihrer Rückkehr nach Neu-Isenburg reist sie mit Bibi für ein Wochenende zu Bekannten in den Niederlanden. Dort wird sie mit dem Tier in einem Café von einer Überwachungskamera gefilmt. Die Polizei rückt an, nimmt sie mit aufs Revier, beschlagnahmt den immer noch illegalen Affen. „Ich wäre nie nach Holland gefahren, wenn ich gewusst hätte, dass das nicht der richtige Nachweis ist“, versichert Farida B. Das Bundesamt für Naturschutz informiert die niederländischen Behörden, die Halterin wolle das Tier nicht mehr. „Ein rechtlicher Fehler“, ärgert sich ihr Verteidiger und Lebensgefährte, der mit ihr in den Niederlanden „alles versucht“ habe, um Bibi zurückzubekommen. Bisher ohne Erfolg.

Erfolg hat das Paar auch nicht vor dem Offenbacher Amtsgericht. Strafrichterin Zoschke sieht die Anklage der Staatsanwaltschaft auf „Verstrickungsbruch“ als erwiesen an und verurteilt Farida B. zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à zehn Euro. „Sie haben den Affen vom deutschen Hoheitsgebiet entfernt und ihn damit der dienstlichen Beschlagnahmung entzogen.“ Die Angeklagte hätte jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich bei Fragen fachkundig von Zinth beraten zu lassen. „Als Auszubildende zur Rechstanwaltsfachangestellten hätte Ihnen klar sein müssen, welche Konsequenzen Ihr Handeln hat“, so die Richterin. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert oder hilfsweise 30 Tagessätze zu zehn Euro. „Meine Mandantin hat die Einbürgerung beantragt, mehr als 30 Tagessätze könnten ihr dabei im Wege stehen“, so der Lebensgefährte. Beide sind wütend über das Urteil. „Hammerhart!“, ruft Farida B. empört. Sie wollen Berufung einlegen.

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