Verhandlung vor Amtsgericht

Als Geldwäscher vorm Kadi

Offenbach - Schon vier falsche Fünfziger können einen hinter Gitter bringen. Ein 24-Jähriger ist vor dem Amtsgericht gerade noch um eine Freiheitsstrafe herumgekommen. Es möge ihm eine Lehre sein, mahnt der Richter. Von Fabian El Cheikh

Irgendjemand bleibt am Ende der Kette darauf sitzen. In diesem Fall waren es ein Kiosk, eine Gaststätte, eine Pizzeria und eine Bäckerei. „Sie alle haben Leistungen erbracht, dafür aber keine Gegenleistung erhalten“, spricht Richter Manfred Beck dem 24-Jährigen aus dem Kreis Offenbach ins Gewissen. Der Betrug fiel auf und zurück auf den jungen Auszubildenden, den der Richter nie wieder sehen will.

Die Geschichte ereignet sich im Februar 2010. Thomas H. (Name geändert), ledig, Jahrgang ’88, bekommt einen Anruf von einem Bekannten. Sie treffen sich in dessen Auto, H. bekommt mehrere Fünfzig-Euro-Scheine gezeigt. „Die sind gefälscht“, sagt der Bekannte, worauf H. ihm mitteilt, nichts damit zu tun haben zu wollen. Hat er dann aber doch – gut eine Woche später trifft er sich erneut mit dem zweifelhaften Bekannten, der in einem Handyladen arbeitet. Kurz danach hat H. einen Umschlag in der Hand und vier falsche Fünfziger. „Keine professionellen Farbkopien, aber offensichtlich doch so gut, dass sie vom Handel angenommen wurden“, bemerkt der Staatsanwalt in der Verhandlung vor dem Offenbacher Schöffengericht.

Aggressiv und bedrohlich

Gewürzt wird das vermeintliche Geschenk mit den Worten: „Wenn du zur Polizei gehst, hau’ ich dir auf die Fresse!“ H. versichert, er habe Angst gehabt. Sein Anwalt betont, der Bekannte, gegen den ein gesondertes Verfahren läuft, habe sich aggressiv und bedrohlich verhalten und für die unechten Scheine 150 echte Euro verlangt. H. zahlt es ihm, vermutlich eingeschüchtert, das Geld erhält der Auszubildende im dritten Lehrjahr mit einem Verdienst von gerade mal 320 Euro monatlich von seiner Mutter. Wohin mit den Farbkopien? Zur Polizei geht H. nicht, seinen Eltern, bei denen er noch wohnt, vertraut er sich nicht an, und wegwerfen will er die wertlosen Scheine offenbar auch nicht. Er verteilt sie an Freunde, ohne eine Gegenleistung. Das Falschgeld kommt in Umlauf – H. muss sich wegen Geldwäsche verantworten.

Richter Beck hat seine Zweifel an den Absichten des Angeklagten. „Da war wohl nicht nur Angst, sondern auch eine gewisse Neugier im Spiel, sonst wäre H. nicht nochmal zu dem Bekannten gegangen, um das Falschgeld in Empfang zu nehmen.“ Wie ein Krimineller erscheine der noch immer sehr jung wirkende H. jedoch nicht, strafrechtlich aufgefallen ist er nie, seine Noten in der Berufsschule sind „ganz gut“, die Übernahme im Ausbildungsbetrieb ist fast sicher.

Ein Warnschuss ohne Arrest

Klarer Fall für einen Warnschuss ohne Arrest, befindet das Gericht. „Es handelt sich offensichtlich um einen spätjugendlichen Leichtsinn, der Lebensweg ist sonst gerade und ordentlich“, urteilt auch der Staatsanwalt und ist sich mit dem Pflichtverteidiger schnell einig: H. bleibt die gesetzlich vorgesehene Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr erspart, ebenso eine Bewährungsstrafe. Er muss finanzielle Reue in einem minderschweren Fall leisten: 30 Tagessätze à 10 Euro. Richter Beck betont: Geldwäsche ist ein schweres Vergehen, die Gesellschaft auf einen funktionierenden Zahlungsverkehr angewiesen. „Und doch hat von vornherein die entscheidende Absicht H.s gefehlt, das Falschgeld in Umlauf zu bringen.“ Gedankenlos und naiv habe H. gehandelt, ja. Es möge ihm eine Lehre sein.

Mit einer Vorstrafe im Führungszeugnis wäre der junge Mann seinen Ausbildungsplatz schnell los, der spätere Lebensweg beruflich verbaut. Der Angesprochene bricht ob der überraschenden Milde in Tränen aus. Und Beck gibt ihm auf den Weg: „Ich will Sie hier nie wieder sehen!“

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