Autobahn-Baustelle belastet Statistik

Verheerende Unfallbilanz auf der A3

+

Offenbach - Eigentlich gelten Autobahnen im Vergleich zu Landstraßen als sicherer. Doch während die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Südosthessen 2014 gesunken ist, hat die Polizeiautobahnstation Langenselbold einen Anstieg verzeichnet.  Von Christoph Zöllner 

Ein Grund dafür: die umstrittene A3-Baustelle bei Offenbach. Die Beamten der Polizeiautobahnstation sind für 390 Kilometer Strecke zuständig. Doch im vergangenen Jahr stand vor allem ein sechs Kilometer langer Abschnitt der A3 im Blickpunkt: die Baustelle zwischen Offenbach-Süd und Obertshausen vom 1. August bis 17. November. Gab es dort im Vorjahreszeitraum noch 59 Unfälle, waren es 2014 insgesamt 167, also fast dreimal so viele. Die Zahl der Lkw-Unfälle (15 in 2013) verfünffachte sich sogar, sagte gestern Ralf Hesseling, Leiter für Verkehrssicherheit und Sonderdienste beim Polizeipräsidium. Es gab zwei Tote, fünf Schwer- und 16 Leichtverletzte. Den volkswirtschaftlichen Schaden bezifferte Hesseling auf 5,8 Millionen Euro (nach 1,5 Millionen im Jahr 2013).

Längst ist die Polizei mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil im Gespräch, um die richtigen Schlüsse aus dieser verheerenden Bilanz zu ziehen. Denn im nächsten Jahr werden im gleichen Abschnitt die Fahrbahnen in Richtung Frankfurt erneuert. Wie Hessen Mobil auf Anfrage mitteilte, sollen die Bauarbeiten im Frühjahr beginnen und wahrscheinlich wieder dreieinhalb Monate lang andauern. Besondern umstritten war ein hessenweites Novum: eine Wechselspur, die morgens gen Frankfurt und abends in die Gegenrichtung geöffnet wurde. „Man fühlte sich in diesem Kanal nicht wohl“, sagte Hesseling. Die Frage, welche Verbesserungen die Polizei fordere, ließ Polizeipräsident Roland Ullmann unbeantwortet: „Die Behörden tauschen sich erst mal untereinander aus.“

Unfallserie auf der A3 in einer Baustelle

Unfallserie auf der A3 in einer Baustelle

Lesen Sie dazu auch:

Mehr Todesopfer und Schwerverletzte

Kommentar: Hoher Preis für Mobilität

„Die Standards wurden eingehalten“, betonte Martin Heiserholt, Pressesprecher von Hessen Mobil. Ihm zufolge liegen die ersten Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung der Uni Bochum zur Wechselspur vor. „Die Spur hat demnach nichts mit den schweren Unfällen zu tun“, sagte Heiserholt. Die Ursachen hierfür seien bei den Verkehrsteilnehmern zu suchen. Dass es zu Beginn einer Baustelle zu mehr Unfällen komme, sei nicht zu verhindern. Ob es zu Korrekturen bei der Fahrbahnbreite oder beim zulässigen Tempo komme, ließ Heiserholt offen. An der Wechselspur will die Behörde aber festhalten. Insgesamt stieg die Zahl der Unfälle auf den Autobahnen in Stadt und Kreis Offenbach sowie dem Main-Kinzig-Kreis im vergangenen Jahr von 2020 auf 2045. Auf allen Straßen im Beritt kam es zu 13 782 Unfällen - das ist der niedrigste Wert aller Zeiten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare