Wenn zwei sich immer noch streiten

Verkauf von altem IHK-Haus stockt

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Seine zentrale Lage am Stadthof macht das dunkelbraune ehemalige IHK-Gebäude attraktiv (hier auf einer Luftaufnahme aus dem Sommer).

Offenbach - Das ehemalige IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit wollen seit Monaten Initiativen kaufen und in ein Wohnhaus verwandeln. Doch noch immer gibt es keine Entscheidung vom Eigentümer. Die Stadt begrüßt zwar dieses Vorhaben, ist aber außen vor. Von Julia Radgen 

Jeden Donnerstagabend treffen sich die Mitglieder von Creativhaus in ihrem Wunschobjekt: Diskussionen im ehemaligen IHK-Haus nutzen sie dazu, ihr Projekt voranzutreiben. Die Genossenschaft des gleichnamigen Vereins will das 1957 erbaute Bürohaus kaufen und zum Wohnhaus umbauen, in dem auch Ateliers, Büros für Kreative und ein Ausstellungsraum Platz finden sollen.

Seit Juni steht Creativhaus nach eigenen Angaben in Kaufverhandlungen mit dem Eigentümer, der Mühlheimer Firma Eduard Geisheimer. Kurz darauf kam Konkurrenz auf, das Hausprojekt Offenbach (HOF). Beide Initiativen haben Geisheimer nach eigenen Angaben Kaufangebote unterbreitet.

Konzepte und Finanzierungsideen vorangeschritten

Ein knappes halbes Jahr später sind deren Konzepte und Finanzierungsideen vorangeschritten, doch ein Ergebnis gibt es nicht. Über den aktuellen Stand der Verhandlungen möchte Geisheimer keine Angaben machen. Auch das HOF will sich laut Mitglied Jeronimo Voss derzeit nicht dazu äußern. Das Konzept des HOF sieht Wohnraum für zirka 50 Menschen im ehemaligen IHK-Gebäude vor. Es soll ein „selbstverwaltetes und solidarisches Mietshaus“ mit bezahlbaren Wohnungen werden.

Das Kollektiv ist der Überzeugung, „dass dauerhaft bezahlbarer Wohnraum nur gemeinschaftlich und jenseits des Wohn- und Immobilienmarktes geschaffen werden kann“, erklärt es auf seiner Internetseite. Dafür will es das Prinzip des sogenannten Mietshäuser-Syndikats nutzen. Nach dessen Modell werden Häuser zum Kollektivbesitz ihrer Mieter und können nicht mehr gegen deren Willen verkauft werden. Finanzieren will das HOF dies hauptsächlich durch Direktkredite von Privatpersonen. Ziel sei es, „den Kredit bei der Bank so gering wie möglich zu halten“. Im Sommer ging man von mehreren Millionen Euro Kauf- und Umbaukosten aus.

Creativhaus hingegen macht aus seinen Absichten keinen Hehl. „Wir sind noch ernsthaft daran interessiert, das Haus umzubauen“, sagt Sprecher Johann Kneißl. Man sei in einem guten Gespräch mit dem Eigentümer, habe jedoch den Eindruck, dieser warte ab. Der Verein hatte sich bereits am Modellprojekt „Wohnbüro Offenbach“ von 2012 bis 2014 im Gebäude beteiligt.

Die Pläne der Genossenschaft zum „urbanen Leben und Arbeiten“ haben sich konkretisiert: So sollen im Erdgeschoss und im ersten Stock Ateliers und Büros einziehen, sagt Kneißl. Herzstück des Baus ist der 100 Quadratmeter große Ausstellungsraum unten. Auch ein Café sei geplant. „Wir wollen ins Herz der Stadt und uns in Richtung Stadthof und Rathaus öffnen“, so Kneißl.

Die Etagen zwei bis fünf mit je 300 Quadratmetern Fläche sind für Wohnungen vorgesehen. Von der WG-Etage für Studenten bis zur Einzimmerwohnung für Senioren und dem Wohnatelier sei alles dabei, um unterschiedlichen – auch finanziellen – Ansprüchen gerecht zu werden. „Das Haus soll generationsübergreifend und barrierefrei sein“, sagt Kneißl. Im Vordergrund steht auch bei Creativhaus die Gemeinschaft. Das Dach soll nutzbar werden, und im Keller können Künstler in ihren Werkstätten schweißen und löten.

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Kneißl rechnet mit einem Quadratmeterpreis von neun Euro. 50 bis 70 Mieter sollen einziehen. Creativhaus will sein Projekt durch Investitionen der Genossenschaftsmitglieder finanzieren und Investoren gewinnen. Die Unterstützung der Stadt weiß man laut Kneißl auf seiner Seite: OB Horst Schneider habe das Projekt wertvoll und förderwürdig genannt.

Auch Marion Rüber-Steins vom Stadtplanungsamt begrüßt die Umgestaltung des ehemaligen IHK-Hauses. „Wir sind absolut für eine Belebung – ob als reine Wohn- oder gemischte Nutzung“, sagt Rüber-Steins. Bebauungsplan und städtebaulicher Vertrag seien mit Geisheimer geschlossen. „Es geht leider nicht so schnell, wie wir uns das wünschen“, sagt auch sie. Die Stadt könne auf den Verkauf aber keinen Einfluss nehmen. „Das müssen der Eigentümer und die Kaufinteressenten miteinander klären“, betont Rüber-Steins.

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