Verkausoffener Sonntag: Tausende auf den Beinen

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Blick in die Frankfurter Straße: Obwohl die Geschäfte überwiegend auf Außen-Aktionen verzichteten, waren gestern Tausende in der Innenstadt unterwegs.

Offenbach - Es war ein Tag, der die Laden-Leerstände und die nicht immer unproblematische Bevölkerungsstruktur in der Innenstadt für ein paar Stunden vergessen machte: Tausende nutzen die Gelegenheit, um beim verkaufsoffenen Sonntag das Angebot in der City zu nutzen oder einfach nur zu bummeln. Von Matthias Dahmer

Die Publikumsmagneten des frühen Nachmittags sind unschwer auszumachen: Das neue Geschäftshaus Marktplatz Offenbach (GMO), das Modehaus M. Schneider und das Einkaufzentrum KOMM samt Aliceplatz, auf dem zusätzlich der Handwerkermarkt lockt.

Gewimmel in den Gängen, an der Kasse bilden sich Schlangen

Beim Handwerkermarkt wurde auch das Schmieden demonstriert.

„Wir sind echt zufrieden. Von vielen Kunden hören wir, dass sie sich darüber freuen, dass endlich wieder ein gescheiter Sportladen in der Stadt ist“, kommentiert man im neu eröffneten Intersport im GMO den Andrang. Fast schon erwartungsgemäß sieht’s bei M. Schneider aus: Ein Gewimmel in den Gängen, an der Kasse bildet sich die erste Schlange. „Läuft sehr gut“, sagt Sven Hofschulte von der Verkaufsleitung. Aber, man glaubt es kaum, am Samstag sei die Kundenfrequenz noch stärker gewesen. Für die Stammkundschaft gibt’s gestern Rabatt, für alle wird im dritten Stock Sekt ausgeschenkt.

Ein Gläschen wartet auch in der Galeria Kaufhof auf Sonntags-Käufer. Doch die sind noch zurückhaltend, „es läuft noch schleppend“, heißt es. Aber: Die Kunden seien gut drauf, weshalb man optimistisch sei. Gut drauf ist auch die wandelnde Plüschgiraffe in der Frankfurter, die Kinderaugen zum Staunen bringt. Zwischen Würstchenstand auf der einen und Pferde-Balsam plus Hornhaut-Entferner auf der anderen Seite macht das Tier seine Späße mit dem Nachwuchs.

Impressionen vom verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt

Verkaufsoffener Sonntag und Handwerkermarkt

„Heut werd dehaam bestimmt net viel gekocht“, kommentiert eine ältere Offenbacherin das Treiben auf dem Handwerkermarkt. Von wegen Körbe flechten oder am Webstuhl sitzen. Futtern ist die Hauptbeschäftigung. Der umlagerte Schwenkgrill biegt sich unter der Last von Würstchen und Steak, kaum einer hat einen Blick für bunte Perlen oder noch buntere Wintermützen. Aber die sind ohnehin Geschmacksache.

Offenbach habe sich positiv verändert, sei freundlicher geworden, findet das Ehepaar aus Sprendlingen, dessen erste Station beim Bummel der Handwerkermarkt ist. Aber es gibt auch andere Stimmen: „Man fühlt sich einfach nicht mehr wohl in der Stadt. Ich bin Offenbacher, aber ich bin es nicht mehr gern“, sagt der ältere Herr, der mit Gattin Strümpfe umtauschen will.

Hauptgewinn? „Zehn Strähnen“

Einer der größten Hingucker sind die jungen Damen vorm Friseurladen Haarika. In festlich bunten Abendkleidern werben sie für den richtigen Schnitt, eine Schöne am Glücksrad fordert zum Drehen auf. Der Hauptgewinn? „Zehn Strähnen“ blickt sie bedauernd aufs weitgehend fehlende Haupthaar des Fragestellers. Wahlweise könne man aber im Falle des Gewinnens auch eine Kopfmassage anbieten.

Vorbei am unverwüstlichen Kinderkarrussel geht’s ins Gedrängel im KOMM. „Viel mehr los als an einem normalen Samstag“, ist in der Drogerie Müller zu hören. Differenziert sieht man es in der Buchhandlung Thalia: „Es kommen viele, die sonst keine Zeit haben. Aber viele schauen auch nur.“

Kontrastprogramm bietet der Hof-Flohmarkt in der Herrnstraße 10. Zum zweiten Mal verkaufen die Anwohner Krimskrams und auch sie finden Abnehmer, zumindest Stöberer. Mit-Initiator Rainer Meißner ist jedenfalls zufrieden. Locker nimmt es Wilma Schindler, Chefin im Jeans Express, der sich seit nahezu 40 Jahren in der Großen Marktstraße hält. „Ich habe sowieso überwiegend Stammkundschaft.“ So einen verkaufsoffenen Sonntag nehme man aber gerne mit.

Beim Bummeln richtet sich der Blick so manchen Innenstadt-Besuchers nach oben. Kommt von dort ein bislang in der City nicht gehörtes Geräusch: Fluglärm. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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