Verkauft für null Euro

Offenbach - Stress scheint tatsächlich die Kreativität zu beflügeln – zumindest ist das bei 76 Oberstufenschülern der August-Bebel-Schule bewiesen: Neben Abiturvorbereitung und schriftlichen Prüfungen schaufelten sich die Teilnehmer der Leistungskurse Gestaltungs- und Medientechnik noch ausreichend Zeit frei, in Teams zu zwei bis vier Personen 26 Projekte abzuwickeln. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Drei Monate waren ihnen dazu vergönnt, ein professionelles Corporate Design mit allen Finessen zu entwickeln. Jetzt kam es in der Aula zur Präsentation.

Unter den kritischen Augen der Jury – die betreuenden Lehrer Rolf Winckler, Beate Rosebrock, Antje Witzsch und Andreas Weishaupt – bekam jedes Team 20 Minuten Zeit, mithilfe des Beamers seine Arbeit bestmöglich zu „verkaufen“. Letzteres ist nicht realitätsfern, auch wenn dabei kein Geld fließt. Denn 80 bis 90 Prozent der Ideen werden wirklich übernommen. Die Auftraggeber kommen aus der Wirtschaft, dem Einzelhandel, dem Dienstleistungssektor oder öffentlichen Einrichtungen.

Gleich zwei Projekte bringen frischen Wind in die Diskoszene. Der Club „Silbergold“ in Offenbach bekommt neben einer eigenen Website unter anderem eine neue Außenwerbung, Speisekarte und Türschilder verpasst – vorausgesetzt, die Entwürfe der drei Jung-Designer sagen dem Inhaber zu. Im „eKult“ in Aschaffenburg sind künftig vielleicht sogar Energydrink-Dosen, Bierdeckel und Feuerzeuge im Eigenlook zu bekommen. Und das Jugendkulturzentrum in Gelnhausen könnte sich als „SPOT“ in der Szene etablieren. Das poppige, junge Logo und der formgebende knallgrüne Streifen auf der Website wirken zumindest rein äußerlich schon mal sehr ansprechend.

Im Herbst hat das berufliche Gymnasium Zehn-Jahre-Jubiläum seines Schwerpunktfachs. Es beruht auf den drei Säulen Produkt, Präsentation und Dokumentation und umfasst die komplette Bandbreite der Gestaltung: Design, Farbtechnik, Druck- und Medientechnik. Sie war die erste Bildungseinrichtung im Land, die die Gestaltungs- und Medientechnik als Leistungsfach eingeführt hat. Inzwischen sind ihr Gymnasien in Marburg, Gießen und Wiesbaden gefolgt. Die Lehrpläne werden an der Richard-Wagner-Straße für ganz Hessen geschrieben.

Das Abitur ist übrigens genauso aufgebaut wie an anderen Schulen Hessens. Einziger Unterschied ist, dass das erste Leistungsfach belegt ist. 70 Prozent der Schulabgänger beginnen eine Ausbildung oder ein Studium auf dem Gestaltungssektor.

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