Kontrollen an falschen Stellen gerügt

Verkehrsärger in der Bettinastraße

+
Weiter westlich im Straßenverlauf ignoriert auch diese Autofahrerin das Durchfahrverbotsschild.

Offenbach - Edgar Hirner ist es leid: Täglich fahren Hunderte von Autos durch die Bettinastraße Richtung Westen. Und das obwohl der Abschnitt von der Lilistraße aus zum Goethering durch ein „Einfahrt verboten“-Schild gesperrt ist. Von Sarah Neder 

Da die Bettinastraße von vielen als Schleichweg beziehungsweise als Abkürzung benutzt wurde, hat man aus Rücksicht auf Anwohner wie Edgar Hirner das Stück zur Einbahnstraße erklärt. Überhaupt gilt für die gesamte Bettinastraße ab Kaiserstraße: Anlieger frei. „Trotzdem verkommt die Strecke zur Rennbahn“, schimpft Hirner. Besonders morgens und abends im Berufsverkehr sei die Situation unerträglich. „Die meisten scheren sich einen Dreck um das Verbotsschild“, ärgert sich der Rentner über die Ignoranz vieler Autofahrer, die möglichst flott zum Kaiserleikreisel gelangen wollen.

Dass viele Verkehrsteilnehmer die Beschilderung missachten, liegt wohl auch an der ziemlich verwirrenden Verkehrslage: Auf dem Teilstück parken Autos entgegen der Fahrtrichtung am rechten Fahrbahnrand, und die Zufahrt ist frei für Linienverkehr und Taxis. Edgar Hirner, der sein ganzes Leben schon an der Bettinastraße wohnt, ist dennoch überzeugt: „Die meisten fahren mit vollem Bewusstsein falsch.“ Der 71-Jährige fordert: „Die Polizei muss dagegen vorgehen.“

Mitunter falscher Eifer

Edgar Hirner weiß: Die Bettinastraße ist nur für Anlieger zugänglich.

Statt jedoch die Einbahnstraßensünder zur Kasse zu bitten, legen die Beamten nach Hirners Erfahrung mitunter falschen Eifer an den Tag. Der Anwohner erzählt: Ein Beamter stellt vergangene Woche seiner 75-jährigen Bekannten aus Mühlheim ein Knöllchen aus, als sie vormittags von der Mainstraße in die Bettinastraße einfährt, um ihn zu besuchen. Der Besuch bei Hirner gilt in den Augen des Polizisten nicht als Anliegen – sie sei also zu Unrecht in die Bettinastraße gefahren, weshalb 20 Euro fällig seien, so der Ordnungshüter. Die verblüffte und überforderte alte Dame zahlt den Betrag, trotz ihrer Zweifel. Als Hirner davon erfährt, radelt er zu der Kontrollstelle und stellt den Beamten zur Rede. „Meiner Ansicht nach hat man ein Anliegen, wenn man einen Anwohner besucht.“ Die Straßenverkehrsbehörde bestätigt auf Anfrage Hirners Annahme: „Ein Anliegen hat auch jemand, der eine Arzt- oder Anwaltskanzlei anfahren will. Der Besuch von Privatleuten oder das Einwerfen eines Briefes fällt auch darunter.“ Außerdem werde ein „Anlieger frei“-Zeichen nicht durch eine kreuzende Straße aufgehoben, wie das etwa bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung der Fall ist.

Edgar Hirner stößt am fraglichen Vormittag zwar nicht auf taube Ohren. Aber: Trotz gerechtfertigter Beanstandung der Strafe kann der Polizist der Frau das Geld an Ort und Stelle nicht zurückgeben. Im zweiten Revier wird das so erklärt: „Aus bürokratischen Gründen kann der Beamte nach Aushändigung der Quittung den Vorgang nicht mehr rückgängig machen.“ Hirner und seine Bekannte dürfen aber auf Rückerstattung im Revier hoffen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare