Verkehrsführung in Bürgel: Neuer Anlauf

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Zwei Stahlbaken und ein Sackgassenschild verhindern an der Bürgeler Gerhard-Becker-Straße die Durchfahrt. Was für die Verwaltung seit Jahren eine durchdachte Lösung für den Ortskern ist, stößt zumindest einem Anwohner an der dort nach links abknickenden Arendsstraße auf. Im Sinne einer Gleichbehandlung und Entlastung will er diese Sperrung endlich aufgehoben sehen.

Bürgel - Es braucht Argumente, um bestehende Verkehrsführungen zu ändern. Nach 30 Jahren und vielen Briefen unternimmt ein Bürgeler einen neuerlichen Anlauf. Von Martin Kuhn

 

Da ist selbst Oberbürgermeister Horst Schneider etwas baff. Nach kurzer Bedenkzeit sagt er: „Es bedarf guter Argumente, eine über Jahrzehnte gewachsene Verkehrsbeziehung zu ändern.“ Dem Verwaltungschef ist bei der Bürgerversammlung eine gewisse Irritation anzumerken, da der Bürgeler an diesem Abend eine Gegebenheit anspricht, die lediglich den direkten Anwohnern geläufig sein dürfte – und den Experten der Straßenverkehrsbehörde.

Worum geht’s? Es betrifft die künstliche Kappung (zwei Stahlbaken) der Gerhard-Becker-Straße zwischen Arends- und Stiftstraße. Bedeutet: Die Stadt lenkt den Verkehr aus dem kleinen Gewerbepark an der Lammertstraße und der Wohnbebauung auf dem ehemaligen Becker-Areal um den alten Ort. Statt geradeaus geht’s nach dem sogenannten Becker-Bogen links ab über die Arendsstraße auf die Rumpenheimer Straße.

Genau das möchte der Anwohner geändert wissen. Er erkennt in der behördlichen Verkehrslenkung eine jahrelange „Ungleichbahndlung“ zu seinen Lasten; deutet in einem Gespräch gar eine Gefälligkeit für „Bürgeler Honoratioren“ an. Der Mann, der einen dicken Aktenordner mit Schriftverkehr zur Versammlung mitgebracht hat, betont, „von Anfang an“ gegen die Kappung der Gerhard-Becker-Straße vorgegangen zu sein. Gehör fand er nie.

Gehweg? Trottoir? Schrammborden!

Im Rathaus kennt man den Vorgang offenbar zur Genüge: „Ihre Zeitung hat am 8. September 1985 berichtet“, heißt es sofort. Auf der damaligen Lokalseite ist festgehalten, „dass der Vorgang auf einen Beschluss der Verkehrskommission zurückgeht. Der reichlich anfallende Verkehr aus dem Neubaugebiet auf dem ehemaligen Beckerschen Gelände soll nicht den alten Bürgeler Ortskern belasten“, heißt es dort. Mit ein Grund für die damalige Entscheidung war die Ampelanlage an der Einmündung der Arendsstraße in die Rumpenheimer Straße.

Rainer Buck von der Straßenverkehrsbehörde betont, dass die Arendsstraße seinerzeit als Haupterschließungsstraße für das Becker-Areal ausgebaut wurde – mit den entsprechenden Querschnitten für Autos und Fußgänger. Aus fachlicher Sicht habe sich die damalige Regelung bis heute bewährt. „Im Ortskern mit Stiftstraße, Strackgasse und Arnoldstraße ist es viel zu eng, speziell für Transporter oder Lastwagen.“ Einige Bürgeler sprechen dort nicht von einem Gehweg oder Trottoir, sondern lediglich von Schrammborden. „Außerdem wollen wir rund um die Uhlandschule keinen zusätzlichen Verkehr haben.“

Aber vielleicht kommt in die Angelegenheit Bewegung. Ein möglicher Aufhänger: Vor Eröffnung des Mainzer Rings, der das künftige Baugebiet Bürgel-Ost erschließen und die Langstraße entlasten soll, hat die Verwaltung eine Verkehrszählung vorgenommen. Die wird nach Angaben des Oberbürgermeisters in diesem Frühjahr wiederholt: „Dann sehen wir, wie sich der Verkehr verteilt hat.“

Ob das Ansinnen des Anwohners berücksichtigt wird, liegt bei der Verkehrskommission. Der gehören an: zwei Magistratsmitglieder, sechs Stadtverordnete, zwölf sachkundige Bürger sowie je ein Vertreter von Verkehrswacht, Automobilclub, ADFC, IHK, Behindertenverbänden, Kinderschutzbund, Seniorenbeirat und Taxiunternehmen. Fachlich beraten Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt, Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Verkehrsbetriebe und EVO. Wie gesagt: Da bedarf es guter Argumente...

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