Verkehrsführung polarisiert

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Das könnte nach dem Umbau des Marktplatzes Geschichte sein: Die Durchfahrt von der Berliner Straße Richtung Bismarckstraße sowie das Abbiegen von der Waldstraße in die Bieberer Straße. Die FDP präsentiert heute um 12 Uhr auf dem Marktplatz ihre Sicht der Dinge zum Umbau.

Offenbach ‐ Schon vor ihrer öffentlichen Vorstellung werden die Pläne zur Umgestaltung des Marktplatzes zum Wahlkampfthema. Von Matthias Dahmer

Die Rollenverteilung ist klar: Um den Durchgangsverkehr vom künftig fußgängerfreundlich gestalteten Marktplatz rauszuhalten, können sich SPD und Grüne mögliche Sperrungen und Einbahnstraßenregelungen für die Waldstraße vorstellen. FDP und CDU treten dagegen bei diesem Vorhaben in unterschiedlicher Intensität auf die Bremse. Das sei das falsche Signal an die Kunden, die man für die Innenstadt gewinnen wolle, sagt der Fraktionschef der Liberalen, Oliver Stirböck. Die Union stellt gar die Frage der Finanzierbarkeit der gesamten Umgestaltung. „Nach der Kommunalwahl muss Kassensturz gemacht werden“, so Fraktionsvorsitzender Peter Freier. Er sieht seine Partei im Übrigen auf einer Linie mit der FDP. Die Innenstadt müsse für Autofahrer erreichbar bleiben.

Das meint grundsätzlich auch Stephan Färber, Frontmann der SPD-Fraktion. Er schlage „bewusst leise Töne“ an, weil bei der künftigen Verkehrsführung rund um den Markplatz unterschiedliche Interessen berücksichtigt, Verdrängungseffekte beachtet werden müssten. Vorstudien, so Färber, gehen davon aus, dass die Waldstraße aus Richtung Bismarckstraße nur noch bis zum Kleider-Frei-Parkhaus beziehungsweise bis zur Geleitsstraße Richtung KOMM-Parkhaus zu befahren, das Rechtsabbiegen in die Bieberer künftig tabu ist. Von der Berliner Straße aus sollen Autofahrer nur noch nach rechts in die Geleitsstraße einbiegen können. Wie es später tatsächlich aussehen wird, betont Färber, muss die geplante Bürgerbeteiligung ergeben. Und: „Wir wollen alle, dass der Marktplatz ein neues Gesicht bekommt.“

Architektenwettbewerb für den Marktplatz ist für 2012 vorgesehen

Dieses Gesicht wäre für Peter Schneider von den Grünen eindeutig davon geprägt, dass der Durchgangsverkehr von Nord nach Süd rausgehalten wird. Eine Lösung, wie sie von der FDP favorisiert wird, kann er sich nicht vorstellen. Er plädiert neben der Einbahnstraßenregelung für die Waldstraße dafür, dass von der Berliner nur noch Anlieger Richtung Marktplatz fahren dürfen.

Wenn es nach den Grünen gegangen wäre, so Schneider, wären die Pläne längst beschlossen. Sie seien nur mit Rücksicht auf den Koalitionspartner FDP wieder in der Schublade verschwunden. Schneider: „Sollten sich nach der Kommunalwahl andere Konstellationen ergeben, könnte es schneller gehen.“

Dem widerspricht Namensvetter und Oberbürgermeister Horst Schneider. Die Marktplatz-Umgestaltung sei zurückgestellt worden, weil der Umbau des Stadthofs Priorität habe. Ein Architektenwettbewerb für den Marktplatz sei erst für 2012 vorgesehen.

Immerhin: Einigkeit besteht darin, dass mit dem Markplatz-Umbau eine niveaugleiche fußgängerfreundlichere Verbindung zwischen Frankfurter Straße und Wilhelmsplatz geschaffen wird. Die Planer sprechen von einem „Shared Space“, einem von allen Verkehrsteilnehmern genutzten Raum. Charakteristisch ist dabei das Fehlen von Verkehrszeichen, Ampeln und Fahrbahnmarkierungen sowie die Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer.

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