Verliebt in Seelenräuber

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Marija Fot hält stolz das erste Exemplar ihres Romans „Perlgrau“ in den Händen.

Ein Hochhaus irgendwo im Offenbacher Stadtteil Lauterborn. Schlafenszeit. Nach und nach gehen in den vielen Fenstern die Lichter aus. Schließlich bleibt nur noch ein leuchtendes Rechteck übrig. Es ist das Zimmer von Marija Fot. Die 25-Jährige liebt die Nacht. Von Veronika Szeherova

Denn mit ihr beginnt die Zeit für Fantasie. Dann setzt sich die junge Autorin an ihren Schreibtisch. Und lässt sich mitreißen von ihren Ideen, Gedanken und Gefühlen.

„Perlgrau“ heißt ihr erstes Werk. Eine Fantasy-Romanze in Twilight-Tradition, und doch ganz ohne Vampire. Bei Wesen wie Vampiren gibt es bestimmte literarische Richtlinien, die sie eingrenzen. „Für mich war es eine Herausforderung, neue Geschöpfe zu erschaffen, die ihre eigenen Regeln haben und sich beim Schreiben entwickeln“, erklärt Marija Fot. „Seelenräuber“ nennt sie ihre Schöpfung: Statt von Blut ernähren sie sich von den Seelen der Menschen. Durch den Mund könne sie diese aufsaugen. Die Menschen sterben dann – es sei denn, sie tragen die Gabe des Lebens in sich. Das ist der Fall, wenn ihre Mutter bei ihrer Geburt ums Leben kam. Somit können sie ebenfalls zu Seelenräubern werden.

Schöner, mehrere Jahrhunderte alter untoter Teenager

Wie Vampir Edward Cullen in „Twilight“ ist der „Perlgrau“-Protagonist Aaron Collister ein überirdisch schöner, mehrere Jahrhunderte alter untoter Teenager, der sich im Abschlussjahr an einer amerikanischen Highschool in ein menschliches Mädchen verliebt. Dass diese Liebe nicht frei von Hindernissen ist, versteht sich von selbst. „Es ist wie bei Stephenie Meyer eine Geschichte über eine unmögliche Liebe“, sagt Marija Fot. „Aber beim Schreiben habe ich darauf geachtet, dass es sich anders entwickelt als bei ihr. Das romantische Romeo-und-Julia-Konzept fand ich als Vorlage allerdings sehr reizvoll.“

Der Gedanke der Seele und was passieren könnte, wenn man sie verliert, beschäftigte die junge Offenbacherin schon länger. „Einen Hang zum Düsteren hatte ich schon immer, früher schrieb ich ab und zu für die Schülerzeitung düstere Gedichte und Kurzgeschichten“, sagt sie und lächelt. „So hatte ich eines Tages die Idee mit den Seelenjägern. Und dann schrieb ich einfach drauf los.“

Geschrieben, weil es so viel Spaß macht

Dass so ihr erster Roman entstehen würde, hätte sie damals, Anfang vergangenen Jahres, nicht gedacht, geschweige denn an eine Veröffentlichung geglaubt: „Ich schrieb einfach nur, weil es mir so viel Spaß machte, sich die Geschichte wie von selbst entwickelte, und weil es für mich die beste Entspannung war.“ Die sie manchmal sogar dem Schlaf vorzog – teilweise hat sie pro Nacht vier bis fünf Stunden durchgeschrieben. „Sonst hatte ich ja keine Zeit, denn ich arbeitete als Tagesmutter zehn Stunden am Tag.“ Ganz zu schweigen von ihrer anderen „Vollzeitbeschäftigung“: Sie ist stolze Mama eines sechsjährigen Sohnes und einer vierjährigen Tochter.

Geboren wurde Marija Fot in Bosnien, mit vier Jahren kam sie nach Deutschland. Sie beherrscht ihre Muttersprache, doch Deutsch fällt ihr leichter. „Es war für mich keine Frage, in welcher Sprache ich schreibe – ich denke in Deutsch, ich träume in Deutsch.“

Marija Fot: „Perlgrau“

ISBN: 978-3-941930-36-0

Oder im Internet

http://www.marija-fot.de

In nur zwei Monaten hat sie „Perlgrau“ geschrieben. Dann gab sie es zwei Freundinnen zum Lesen. „Sie waren begeistert und ermutigten mich, mir einen Buchverlag zu suchen“, erinnert sich Marija Fot. „Das war alles andere als einfach und kostete mich viel Geld.“ Denn die meisten Verlage verlangten ein ausgedrucktes Manuskript, nur per E-Mail reichte es nicht. Viele antworteten gar nicht. Andere boten ihr eine Veröffentlichung an – für viel Geld. „Die höchste Summe, die ein Verlag wollte, waren 10 000 Euro“, erzählt die Jungautorin kopfschüttelnd.

Nächster Roman bereits in den Startlöchern

Schließlich fand sie ein kleines Verlagshaus, das ihr lediglich die Druckkosten in Rechnung stellte. Aber Redigieren musste sie selbst: „Ich habe im fertigen Buch noch einige Fehler entdeckt. Aber die Nachbearbeitung ist anstrengend und viel mehr Arbeit als das Schreiben selbst.“

Ihr nächster Roman wartet mittlerweile auf ihrem PC auf Korrektur: „Das ist weniger eine Liebesgeschichte, aber auch Fantasy.“ Etwas anderes kommt für die Offenbacherin gar nicht in Frage: „Mich reizt das Übernatürliche, weit ab vom Alltag.“

Die im Dezember erschienene Erstauflage von „Perlgrau“ umfasst 1 000 Stück. Die Jungautorin hofft auf eine Zweitauflage für „ihr Baby“, wie sie das Buch liebevoll nennt – und noch viel mehr: „Eine Fortsetzung hab ich bereits geschrieben und ein dritter Teil existiert schon im Kopf. Die Geschichte hat so eine Art Eigenleben entwickelt.“

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