Verlockung Schnupperticket

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Jana Adelhoch (links) ist für Marketing zuständig, Christine Wüst-Rocktäschel für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Mit der Kampagne „Wir bewegen Offenbach“ wollen sie zeigen, dass Menschen hinter OVB und LNO stecken.

Offenbach - „Was bringt die Kunden in den Bus?“ Dies ist eine der zentralen Fragen, die Christine Wüst-Rocktäschel und Jana Adelhoch bewegen. Die beiden Mitarbeiterinnen der Lokalen Nahverkehrsorganisation Offenbach (LNO) sind für Pressearbeit und Marketing zuständig und stellen die Offenbacher Verkehrbetriebe (OVB) nach außen dar. Von Simone Weil

Gegenwärtig sind sie mit der Jubiläumskampagne beschäftigt. Auch die verfolgt grundsätzliche Ziele: Image des ÖPNV in Offenbach stärken, neue Kunden gewinnen und bestehende Fahrgäste an OVB und NiO binden.

Dabei ist es nicht damit getan, den Nahverkehr in Offenbach in leuchtenden Farben zu schildern. Besser ist es, möglichst viel über die Fahrgäste herausfinden und von den Nicht-Kunden zu erfahren, warum für sie der ÖPNV keine Alternative ist. Alle zwei Jahre wird die Bevölkerung deswegen telefonisch befragt.

Die Erkenntnisse aus der Umfrage fließen in Aktionen ein: „Wenn wir herausfinden, dass die Unkenntnis über unser Angebot groß ist, müssen wir die Informationen eben kundenfreundlicher aufbereiten“, erläutert Jana Adelhoch die Arbeit. Dabei haben sie die verschiedenen Zielgruppen im Blick: Schüler und Senioren brauchen unterschiedliche Informationen. „Senioren wollen häufig eine persönliche Beratung, während die Jugend mit einem Online-Auftritt gut zu erreichen ist“, sagt Pressesprecherin Wüst-Rocktäschel. Ist etwa die sogenannte Busschule ein funktionierendes Instrument, um dem Nachwuchs spielerisch der Umgang mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zu vermitteln, hat sich ein ähnliches Angebot für Senioren nicht bewährt: Sie kamen einfach nicht zu zentralen Veranstaltungen. Die Konsequenz: Jetzt besuchen OVB-Mitarbeiter Heime und Altentreffs und stoßen bei ihren Visiten auf bessere Resonanz.

Mit weiteren werbewirksamen Angeboten wie den Schnuppertickets, mit denen man drei Monate zum Preis von zwei Monaten fährt, sollen neue Kunden gewonnen werden. Das scheint zu funktionieren, denn die Fahrgastzahlen steigen. Waren es insgesamt 12,6 Millionen Nutzern im Fahrplanjahr 2007, waren im folgenden Jahr 12,9 Millionen Menschen in Offenbach mit dem ÖPNV unterwegs. „Wir haben schon das Gefühl, dass unser Angebot angenommen wird“, glaubt Christine Wüst-Rocktäschel.

Bei LNO und OVB arbeiten beide Damen in enger Abstimmung mit allen Abteilungen, aber auch dem Dienstleistungsbetrieb ESO zusammen. Die reinigen jetzt die Haltestellen häufiger - auch ein Ergebnis der Bevölkerungsbefragung: Die Sauberkeit an den Stopps war von den Kunden bemängelt worden. Ein Hinweis, der sofort aufgegriffen wurde. „Wichtig ist, dass es hier Menschen gibt, die diesen Job machen, sonst gibt es für uns auch nichts zu berichten“, meint Christine Wüst-Rocktäschel.

Ein weiterer Versuch, den ÖPNV attraktiv zu machen, ist das Job-Ticket, das in Zusammenarbeit mit Unternehmen an Mann und Frau gebracht wird. Und wo sonst, wenn nicht gerade bei LNO und OVB profitieren die Mitarbeiter von den günstigen Konditionen: Die Pressesprecherin war über einen längeren Zeitraum öffentlich zwischen Offenbach und ihrem Mainzer Wohnort unterwegs. Jetzt allerdings muss erst das Töchterchen in die Krabbelstube gebracht werden - das lässt sich mit dem Auto einfach besser bewerkstelligen.

Kollegin Jana Adelhoch hat Pech gehabt: Sie lebt in Aschaffenburg. Bei den Bayern wird der hessische Fahrschein nicht anerkannt. Doch warum sollte es ihr besser gehen, als den Offenbachern und den Frankfurtern? Zwischen beiden Städten gibt es nicht einmal eine richtige Landesgrenze - trotzdem schafft es der Rhein-Main-Verkehrsverbund nicht, gerechtere Tarife zu gestalten.

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