Verloren in den Hinterhöfen

Offenbach (mcr) ‐ Klingt nach einer Krimikomödie, die alle Klischees von bemitleidenswert tolpatschigen Bösewichten bedient. Ist aber wirklich passiert. Und endete vor dem Offenbacher Schöffengericht mit der Verlängerung der Knast-Karriere des Hauptgauners.

24. Oktober 2009: Ein 51-jähriger Offenbacher hat schon 15 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht, verspürt aber offenbar immer noch den Drang nach dem einen, dem ganz großen Coup. Mit drei jüngeren Bekannten, allesamt auch schon als Einbrecher ertappt, schmiedet er Pläne. Ein Einbruch in eine Bank soll‘s sein, und das meiste Geld ist wohl in einem Kreditinstitut in der Innenstadt zu holen.

Das Quartett zieht los, zerschneidet einen Zaun, schlüpft des nachts in den Hinterhof der Bank. Eine Leiter kommt zum Einsatz. Die drei jüngeren klettern aufs Dach, arbeiten sich durch die Decke. Der Senior steht unten mit einem Handy Schmiere. Ab hier geht alles schief: Das Trio bricht endlich durch die Decke. Doch es sind nicht die Räume der Bank, es sind die der Firma nebendran. Hier gibt es kein Geld. Dafür aber einen Anruf vom Komplizen. In einer Wohnung sei Licht angeschaltet worden - Rückzug!

Wettrennen beginnt

Das ist ein guter Rat. Aber einer, der zu spät kommt. Denn ein Anwohner ist tatsächlich auf die Machenschaften in der Nachbarschaft aufmerksam geworden, hat die Polizei gerufen. Der Zeuge ist ein Glücksfall für die Beamten und ein Riesenpech für die Ganoven. Denn er ist in den verschachtelten Hinterhöfen des Baukomplexes aufgewachsen, der jetzt die Bank beherbergt. Er kennt jede Mauer, jeden Zaun, jeden Durchgang, jeden Schatten wie seine Westentasche. Ein Wettrennen beginnt. Die Ganoven geraten in Panik, finden den Ausweg nicht mehr, während der Zeuge die Polizisten per Handy zu den Tätern lotst. Die haben sich mittlerweile resigniert hinter kleinen Büschen versteckt - Festnahme.

Dreist: Der 51-jährige, gegen den der Vorsitzende Richter Manfred Beck einzeln verhandelt, bestritt die Tat. Er sei nur zufällig in die Sache hineingerasselt, als er von einer nahegelegenen Disco zum Rauchen nach draußen gegangen sei. Als die Polizisten auftauchten, habe er sich nur auf den Boden gelegt, um nicht von einer Kugel getroffen zu werden. Eine Ausrede, die ihm nichts brachte. Denn an Sturmmaske, Handschuhen und Taschenlampe, die in unmittelbarer Nähe des Tatortes gefunden wurden, entdeckten Gerichtsmediziner seinen genetischen Fingerabdruck. Und keinen der Gegenstände, fand Richter Beck, nehme man zum Tanzen mit…

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