Von verlorenen Wetten und Tabubrüchen

Offenbach - Es ist einer jener seltenen Wahlabende, der nicht nur Gewinner kennt. Auch in Offenbach. CDU und FDP präsentieren sich mit breiter Brust, die Grünen und die Linke sehen sich im Aufwind. Von Matthias Dahmer

Und die sozialdemokratische Direktkandidatin Uta Zapf sowie Offenbachs SPD-Parteichef Stephan Wildhirt müssen bei der obligatorischen Pressekonferenz der lokalen Politprominenz im Rathaus die schwere Schlappe einer einstigen Volkspartei einräumen.

Sie kann nicht drumherum reden: Das schlechte Ergebnis der SPD ist eine Enttäuschung für sie, so Uta Zapf. Die 68-Jährige, die seit 1990 im Bundestag sitzt, hofft, dass sie ihr Mandat noch über den Listenplatz ihrer Partei halten kann.

SPD: Müssen unsere Aufstellung überprüfen

Auch für Stephan Wildhirt hat die SPD „Grund, ihre Aufstellung zu überprüfen“. Ohne Steinmeier und Müntefering und mit dem Bruch des Tabus „Mit der Linken nie“ muss es nach seiner Ansicht weitergehen. Und weil es so ganz ohne Schönreden nicht geht, sieht der SPD-Vorsitzende in dem „traurigen Abend auch eine Chance“ - wenn sich denn die Partei auf sich selbst besinnt. Eine Aussage für die Kommunalwahl 2011 beinhaltet das Ergebnis der Bundestagswahl für Wildhirt indes nicht.

CDU: Ergebnis ermutigendes Zeichen für Offenbach

Für Peter Freier, den Fraktionsvorsitzenden der CDU, schon. Das Wahlergebnis, gibt er zu Protokoll, ist ein ermutigendes Zeichen für Offenbach und für die nächste Kommunalwahl. Ein Zeichen erkennt auch Unions-Boss Stefan Grüttner im Ergebnis. Eines dafür, dass die Position der Union Gehör findet. Außerdem lässt er es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen: Die CDU ist bei Erst- und Zweitstimme stärkste politische Kraft in Offenbach, so Grüttner, der sich zugleich „nicht begeistert“ über die Wahlbeteiligung zeigt.

Lob hat er für seinen Wahlkreiskandidaten Peter Wichtel, der als Nachfolger von Klaus Lippold aus dem Stand ein Direktmandat für die Union geholt hat. Der CDU-Politiker hat unterdessen schon das Offenbacher Rathaus verlassen, um an dem Abend den Applaus von Unionsanhängern in den Kreiskommunen zu hören.

FDP: Wir sind keine kleine Partei mehr

Mit feinem Humor kommentiert ein zufriedener FDP-Vorsitzender Paul-Gerhard Weiß das Wahlergebnis: Er könne sich nicht daran erinnern, dass die FDP jemals dritte Kraft in Offenbach war und er noch vor den Grünen um eine Stellungnahme gebeten worden wäre. „Das Ergebnis zeigt, die FDP kann ausstrahlen und Wähler gewinnen. Sie ist eine Mittelpartei und keine kleine Partei mehr“, so Weiß. Als das beste Ergebnis seit 60 Jahren bezeichnete FDP-Direktkandidatin Vera Langer das Abschneiden der Liberalen.

Eine FDP, die vorbei gezogen ist und - weil er daran nicht glaubte - eine verlorene Wette um ein Abendessen: Peter Schneider, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat gleich doppelten Grund, sich zu ärgern. Weshalb er auch lieber davon spricht, dass ihn die geringe Wahlbeteiligung bedrückt und das Ergebnis der Piratenpartei ihn aufhorchen lässt.

Grüne: Die Großen müssen langsam aufwachen

Grünen-Kandidat Klaus-Uwe Gerhardt aus Obertshausen sonnt sich derweil darin, dass sich die Zahl der Erststimmen für seine Partei im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 verdoppelt haben. Im Übrigen, ist er sich sicher, haben die kleinen Parteien den großen bei diesem Urnengang gezeigt, dass „sie langsam aufwachen müssen“.

Als „grandioses Ergebnis“ bezeichnet Adrian Gabriel, Wahlkampfleiter der Linken, das Abschneiden von Christine Buchholz. Und Horst Schultheiß von der Fraktion der Linken im Stadtparlament prognostiziert für die Kommunalwahl 2011 so um die zehn Prozent für seine Partei.

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