Verluste ausgeglichen

Städtische Wirtschaftsförderung zieht Bilanz und ist positiv gestimmt

Offenbach - Steigendes Interesse am Standort Offenbach, Neuansiedlungen im Blick und die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs auf konstant gutem Niveau – positiv gestimmt kann die städtische Wirtschaftsförderung das Jahr 2016 beenden. Von Matthias Dahmer

Oberbürgermeister Horst Schneider bringt gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts sogar Emotionen ins Spiel: Er habe das „belastbare Gefühl“, dass die Stadt nun auch im Gewerbemarkt angekommen sei. Wie später auch Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger lobt Schneider den Masterplan als das wesentliche Instrument, um Unternehmen für Offenbach zu interessieren. Weil das zählt, was unterm Strich steht, können die beiden in Sachen Arbeitsplätze zumindest so etwas wie ein Nullsummenspiel verkünden: Den Verlusten, etwa durch die Auflösung des Areva-Standorts Offenbach und weiteren Wegzügen, stünden rund 700 neu entstandene Arbeitsplätze entgegen. Konkret nennt der Jahresbericht zum Beispiel das New Century-Hotel am Kaiserlei mit mehr als 100 neuen Stellen, die Firma Weiler Asphalt- und Mischwerke GmbH, welche die ehemaligen Fredenhagen-Hallen an der Sprendlinger Landstraße gekauft hat und mit ihren 75 Beschäftigten von Frankfurt dorthin gezogen ist. Erwähnenswert ist für die Wirtschaftsförderer auch Ansiedlung der Redux Recycling GmbH an der Brockmannstraße (40 Mitarbeiter), des Möbeldiscounters Roller am Kaiserlei (45) sowie des P. Keppler Verlags an der Kaiserstraße.

Mit einer erst im Januar spruchreifen Ansiedlung eines Unternehmens würden weitere 300 Arbeitsplätze in Offenbach entstehen, damit seien die „massiven Verluste“ ausgeglichen, so Schneider. Mit Blick auf die Abwanderungen räumt er ein, es schmerze, weil man bei solchen Unternehmens-Entscheidungen die Hilflosigkeit der Politik sehe. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs liegt mit derzeit rund 46.000 auf konstantem und etwa an die 70er-Jahre heranreichenden Niveau. „Bei 130.000 Einwohnern, den vielen Einpendlern und unserer Sozialstruktur ein guter Wert“, meint Schneider. Als Köder für Unternehmen hat sich laut Amberger erwiesen, dass der Masterplan gleichzeitig beschlossene Schlüsselprojekte enthält. Daraus hätten sich bislang 35 „intensive Gespräche“ mit potenziellen Investoren entwickelt.

Zur Standortsicherung haben Amberger und Schneider in diesem Jahr 70 Unternehmen in der Stadt besucht, um sich deren Sorgen und Nöte anzuhören, 90 Firmen wurde bei der Lösung von Problemen und Problemchen geholfen. Zur Standortsicherung gehört auch, Umsiedlungswünsche innerhalb Offenbachs zu erfüllen. Gelungen ist das beim Seifenproduzenten Kappus, der mit 65 Mitarbeitern von der Luisenstraße nach Bieber-Waldhof aufs ehemalige Dachser-Gelände gezogen ist, beim Autohaus „Auto Emotion“ (30 Beschäftigte), das sich auf dem früheren Honda-Gelände an der Sprendlinger niedergelassen oder auch bei der tecsis GmbH (250 Mitarbeiter), einer Spezialistin für Druckmessgeräte, die ein bislang angemietetes Objekt in Bieber-Waldhof in Erbpacht erworben hat.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Zu den An- und Umsiedlungen gesellt sich die sogenannte Revitalisierung von Objekten. Dazu zählt vor allen Dingen die seit Jahren verwaiste City-Passage, der ein Frankfurter Investor wie berichtet neues Leben einhaucht. Im Januar wird der Abriss beginnen, 2018 soll das neue „Rathaus-Center“ fertig sein. Gewerbeflächen mit darüber liegenden Wohnungen entstehen sowohl im alten IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit als auch im ehemaligen UBS-Haus an der Kaiserstraße 73. Weitere größere Verkäufe älterer Büroimmobilien waren am Kaiserlei zu verzeichnen: Die Objekte Kaiserleistraße 42 und 44, einst vom Wetterdienst genutzt, wurden an Investoren verkauft.

Über die City-Passage hinaus gibt sich die Wirtschaftsförderung für weitere Teile der Innenstadt optimistisch: Das Toy’R’Us-Gebäude ist verkauft, der neue Eigentümer stimmt sich mit der Stadt über die Nutzungsmöglichkeiten ab; die Flächen des ehemaligen Saturn-Markts sollen 2017 für neue Mieter umgebaut werden; die Modekette Esprit ist zurück am Marktplatz. Hinzu kommen zahlreiche gastronomische Neueröffnungen. Um dem wachsenden Druck des Internet-Handels standhalten zu können, haben Offenbacher Einzelhändler die Möglichkeit, sich auf den städtischen Web-Seiten im „Forum Einzelhandel“ darzustellen und sichtbar zu machen.

Rubriklistenbild: © dpa

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