Brutalter Überfall

Vermeintlich fette Beute waren nur Arbeitsbelege

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Offenbach - Zweimal innerhalb kurzer Zeit hatte das Offenbacher Schöffengericht mit einer Gruppe junger Männer aus dem Stadtteil Lauterborn zu tun.

In einem ersten Verfahren ging es, wie bereits berichtet, um einen Raubüberfall auf Postauslieferungsfahrer und Vergewaltigung in einem Keller. Dabei hatte Richter Manfred Beck vom angeklagten Posträuber und einer Zeugin erfahren, dass sich im Stadtteil eine Gruppe von etwa 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund gebildet habe, die sich gegenseitig zu Straftaten aufstachelten. Für Beck bemerkenswert war die Aussage, dass die Schutzpolizei kaum im Stadtteil präsent sei. Die Gruppe treffe sich rund um den Händelplatz. Zu ihr gehören wohl auch die beiden Männer, die sich später vor dem Schöffengericht verantworten mussten.

Der 21- und der 22-Jährige hatten sich am 18. Januar dieses Jahres Zugang zu einem Hotel in der Offenbacher Innenstadt verschafft. Der Hoteleingang ist nur nach Eingabe einer Codenummer zu betreten. Sie und ein dritter Jugendlicher beobachteten den Eingang. Als sie merkten, dass ein Gast die Tür nicht sofort öffnen konnte, ging einer der Männer auf ihn zu und gab sich als Hotelmitarbeiter aus. Er fragte den Mann, wo er die Codenummer habe. Dann zeigte er sich scheinbar hilfreich, als der Gast einen Zettel hervorkramte, und gab die notierte Nummer ein. Nebenbei sah er, dass der Mann in seiner Geldbörse viele grüne Scheine hatte. Er dachte, es handele sich um Euro-Hunderter, berichtete den anderen davon, und alle drei kamen überein, den Mann auszunehmen.

Mindestens drei Jahre Haft

Mittels der Codenummer verschafften sie sich gegen 0.30 Uhr Zugang zu seinem Zimmer und riefen, dies sei ein Überfall, er solle ruhig sein. Doch der Mann wehrte sich und versuchte, das Trio aus seinem Zimmer zu drängen. Da nahm der 22-Jährige ein Kopfkissen, drückte es seinem Opfer auf den Kopf und legte sich mit seinem ganzen Körper auf den 53-Jährigen, damit dieser keine Luft mehr bekam und nicht schreien und sich nicht wehren konnte. Seine Komplizen waren offenbar mit der brutalen Methode einverstanden und schritten nicht ein. Anschließend suchte der 21-Jährige nach der vermeintlich prall gefüllten Geldbörse. Als er die Beute gefunden hatte, flüchteten alle drei. Später mussten sie feststellen, dass das Portemonnaie nur wenig Geld enthielt: Bei den grünen Scheinen handelte es sich um Abrechnungsbelege des Gastes für seine Arbeit.

In der Hauptverhandlung zeigte sich besonders der 21-Jährige uneinsichtig. Sinngemäß sagte er, man solle die Sache nicht so hoch hängen. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck hängte sie aber hoch: Der 22-Jährige, der vorbelastet war, geht drei Jahre und elf Monate in den Bau, der 21-Jährige drei Jahre und vier Monate. Richter Beck befand: „Eine möglicherweise mangelnde Präsenz der Polizei im Stadtteil können die jungen Männer nicht als Entschuldigung anführen. Denn sie sind so gebildet, dass sie auch so wissen, dass ihre Tat ein schweres Verbrechen darstellt.“ Das 53-jährige Opfer ist bis heute traumatisiert und kann seinem Beruf nicht mehr nachgehen.

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tk

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