Vermietbarer Leerstand

Offenbach - Man darf es wohl konstatieren, ohne sich allzu heftiger Kritik auszusetzen: Die Offenbacher Innenstadt ist noch lange nicht so weit, ein Warenangebot zu beherbergen, welches alle Kundenwünsche erfüllt. Von Matthias Dahmer

Derzeit muss sogar noch einen Schritt weiter zurückgegangen werden. Drängt sich den Passanten doch auf, dass hinter noch mehr Fensterscheiben als bisher gähnender Laden-Leerstand herrscht. Ob dies dem Konkurrenzdruck in Folge eines deutlichen Überangebots geschuldet ist, wie in einigen Fällen zu vermuten ist, oder an den zu hohen Mietforderungen der Immobilieneigner in der Innenstadt liegt, ist unklar. Fakt ist: Die Geschäfte stehen leer.

Besonders augenfällig: Die Große Marktstraße. Gleich an der Ecke zum Marktplatz hat ein Handy-Laden dicht gemacht, der schon fast zu den etablierten Geschäften zählte. Gegenüber ist eine bislang dort angesiedelte Apotheke verschwunden. Wer den Blick nochmals wendet, sieht, dass auch einem Eisladen kein langes Leben beschert war. Drei Leerstände im Umkreis von geschätzten 30 Metern also. Und es geht noch weiter: Das ehemalige Kino-Center in der Großen Marktstraße, für mittelalte Offenbacher in Vor-Multiplex-Zeiten eine der Anlaufstellen in Sachen Freizeitgestaltung, harrt nach wie vor einer Nutzung. Immerhin: Wie zu hören war, zieht dort demnächst die Drogerie Rossmann mit einer Filiale ein.

Einige ehemalige Bäckereien stehen leer 

Zwei seiner Filialen in der City aufgegeben hat dagegen der Back-Riese Kamps. Sowohl das Geschäft an der Ecke Herrnstraße/Große Marktstraße, die ehemalige Bäckerei Kohler, als auch die Kamps-Dependance in der Frankfurter Straße stehen leer. Ein neuer Mieter wird zudem fürs „Simit Land“ gesucht, jenen Laden in bester Lage am Aliceplatz, in dem bis vor kurzem türkisches Sesamgebäck verkauft wurde.

Trotz der sichtbaren Beispiele tritt Offenbachs oberster Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger dem Eindruck entgegen, der Leerstand sei derzeit besonders groß. 26 Geschäfte, sagt er, sind im Moment im erweiterten Innenstadtbereich frei. Für 13 von ihnen, ist sich Amberger sicher, werden ohne weiteres wieder Mieter gefunden werden. Zugleich gibt er zu bedenken, dass so manches Ladenlokal wegen besonderer Umstände nicht belegt ist. Amberger verweist etwa auf die City-Passage, deren Umbau angepeilt ist, wegen eines langfristigen Mietvertrags aber nicht angepackt werden kann.

Hauseigentümer werden künftig in die Pflicht genommen

Der Einfluss der Wirtschaftsförderung auf den Geschäfte-Mix in der City ist bekanntlich begrenzt, steht es doch jedem Vermieter grundsätzlich frei, wen er sich in seine Immobilie holt. Das gilt seit kurzem aber nur noch mit Einschränkungen. Um zumindest gänzlich unerwünschte Nutzungen, sprich den Einzug von Wettbüros in allen seinen Spielarten, auszuschließen, hat die städtische Bauaufsicht einen neuen Hebel angesetzt. Sie nimmt künftig die Hauseigentümer in die Pflicht, wie Amtsleiter Helmut Reinhardt berichtet. In der Regel würden solche Wettbüros Räume anmieten, ohne die entsprechende behördliche Genehmigung zu haben. Ein Vorgehen gegen den jeweiligen Betreiber sei schwierig, weil der häufig wechsele.

Nun, sagt Reinhard, ziehe man auch die Hauseigner heran, die im juristischen Sinne als „Zustandsstörer für den ordnungsgemäßen Gebrauch ihrer Immobilie verantwortlich sind“. Das könne so weit gehen, dass der Vermieter zur Kündigung des Mietvertrags gezwungen werde. In der Innenstadt sind davon zunächst rund 20 Eigentümer betroffen. „Wir wollen dieses Vorgehen systematisch ausweiten“, sagt Reinhardt.

Die behördliche Mahnung kommt offenbar an: Auf einem der aktuellen Vermietungsplakate ist bereits zu lesen, dass Wettbüros dort nicht möglich sind. „Ich bin froh, dass es einer schon kapiert hat“, kommentiert Helmut Reinhardt.

Rubriklistenbild: © Georg

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