Vermisste lag tot im Klinikkeller

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In einem drei Meter tiefen Schacht wurde die vermisste 93-Jährige gefunden.

Offenbach (mcr) ‐ Die seit Sonntag im Offenbacher Klinikum vermisste 93-Jährige ist tot. Ein Mitarbeiter fand die Leiche der verwirrten Frau gestern Früh in einem drei Meter tiefen Schacht in den Technik-Katakomben des Krankenhauses.

Die Tür, die zu dem Raum mit dem Schacht führt, sei entgegen „eindeutiger Anweisungen“ nicht verschlossen gewesen, räumte Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt am Nachmittag ein. Zudem sei ein Teil des Abdeckgitters entfernt gewesen.

Am Schacht selbst, der an einem der tiefsten Punkte des vor dem Abriss stehenden Klinikbaus der Entwässerung dient, seien „derzeit Wartungsarbeiten“ fällig. „Möglicherweise kann man da einen Zusammenhang sehen“, erklärte Schmidt. Die Staatsanwaltschaft habe die Obduktion der Toten angeordnet; das für Gewaltdelikte zuständige K11 der Kriminalpolizei ermittele. Schmidt sicherte bei diesem „außerordentlich tragischen Fall absolute Kooperation“ zu. Und auch klinikintern werde recherchiert.

Die Suche auf der Station und im Gebäude sei ergebnislos gelaufen

Das Verschwinden der „aus dem Raum Offenbach“ stammenden Seniorin aus der neunten Etage hatte am Sonntag eine aufwändige Suchaktion ausgelöst. Noch gegen 8 Uhr sei der Blutzucker der Frau von der diensthabenden Ärztin gemessen worden, sagte der Chefarzt der Medizinischen Klinik II, Professor Henryk Dancygier. Und auch die Stationsschwester habe die Patientin noch gesehen. Schon gegen 8.20  Uhr allerdings, als das Frühstück verteilt wurde, sei sie nicht mehr in ihrem Zimmer neben dem Schwesternraum gewesen.

Die Suche, erst auf der Station und dann im ganzen Gebäude, sei ergebnislos verlaufen. Um 9.20 Uhr seien Polizei und Angehörige verständigt worden. Doch auch die erneute Suche mit 15 Beamten habe nichts gebracht, weshalb der Einsatz - später mit Hilfe des Polizeihelikopters samt Wärmebildkamera - auf das Umfeld erweitert worden sei. Vergeblich. Erst gestern Morgen gegen 8.15 Uhr, als der Technische Dienst des Klinikums das Gebäude nochmals systematisch von unten nach oben durchsuchte, sei die Tote gefunden worden.

Die Tragödie gibt Medizinern wie Ermittlern mehr als das juristisch elementare Rätsel auf, wer die Tür zum Schachtraum offen gelassen hat. Denn der Tiefkeller 2, wie die unterste Etage heißt, verfügt über vier Brandschutztüren aus Stahl, durch die die zierliche Seniorin auf dem Weg zum Schacht hat gehen müssen. Und die dürfen zwar nicht abgeschlossen werden, sind aber so schwer, dass ein viel jüngerer und gesünderer Mensch Probleme hätte, sie zu öffnen.

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