Kunstverein Offenbach

Vernissage: Rückkehr der Artothek

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Der Kunstverein zeigt im Stadtteilbüro einen Teil der rund 600 Werke, die lange Jahre nicht mehr zu sehen waren.

Offenbach - Neues Leben scheint dem Kunstverein Offenbach eingehaucht zu sein. Diesen Eindruck gewannen jedenfalls die Besucher, die zur Vernissage den Weg ins Stadtteilbüro Mathildenviertel gefunden haben. Von Claus Wolfschlag

Gezeigt werden dort ab sofort Fundstücke aus dem Fundus der Artothek, meist Radierungen und Lithografien – Kunstwerke, die der Öffentlichkeit über viele Jahre entzogen waren. Um zu verstehen, wo diese Werke plötzlich aufgetaucht sind, muss man die Geschichte der Sammlung kennen. Vereinsvorsitzende Ulrike Djellouli-Della ging denn in ihrer Ansprache und zahlreichen Einzelgesprächen mit den Besuchern explizit auf die bewegte Historie des Kunstvereins ein.

1977 von Professor Kurt Steinel und Stadtrat Ferdi Walther ins Leben gerufen, hatte der vor allem eine dienende Funktion. Kunst von Bürgern sollte den Bürgern nahe gebracht werden. Hier liegt der Unterschied zum Bund Offenbacher Künstler, der vor allem eine Vertretung und ein beruflicher Zusammenschluss in Offenbach arbeitender Künstler ist.

Ausstellung im Stadtteilbüro Mathildenviertel

„Kunst ist wichtig für die Gesellschaft und für die Lebensqualität“, fasste Djellouli-Della die eigene Absicht in ihrer Rede zusammen. Zur besseren Verwirklichung des eigenen Anspruchs baute der Kunstverein seit 1981 die Artothek auf, in gewisser Weise eine Bibliothek für Kunstwerke. Der Verein kaufte Werke von Ausstellungen auf, bekam teils Dauerleihgaben überlassen, die dann wiederum von Bürgern für bestimmte Zeiträume ausgeliehen werden konnten. Das funktionierte in den „fetten Jahren“ gut, doch Ende der 90er Jahre ging dem einst massiv von städtischer Seite unterstützten Zusammenschluss das Geld aus. Eine Zeitlang übernahm die Stadtbibliothek noch die Verwaltung der Artothek, bis auch dies einschlief. Und so schlummerten die gesammelten Kunstwerke im Depot der Stadtbibliothek, bis der tote Kunstverein 2009 von einer neuen Mannschaft wiederbelebt wurde. „Der Verein war einmal präsent in Offenbach, und da wollen wir wieder hin“, verkündte Djellouli-Della, auch wenn sie weiß, dass nicht mehr mit viel finanzieller Unterstützung durch die Stadt zu rechnen ist.

Die kleine Ausstellung im Stadtteilbüro Mathildenviertel dient hierzu als erster Schritt. Gezeigt werden 20 Werke aus dem Fundus der Artothek. „Wir sind derzeit immer noch in der Sichtung und Digitalisierung der etwa 600 in der Stadtbibliothek vorhandenen Werke“, erklärte dazu Schatzmeister Geet Chorley. „Man entdeckt dabei echte Schätze, und das macht einfach Spaß.“

Kunst trifft auf nackte Haut - Body Painting auf südkoreanisch

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Die Arbeiten wurden von den Vernissage-Besuchern in der Krafftstraße 29 interessiert begutachtet. Sie entdeckten beispielsweise Offenbacher Ansichten von Manfred Weisbecker, eine Straßenszene vom Buchraingebiet, eine vom S-Bahn-Bau an der Ecke Schlossstraße. Eine Arbeit Kurt Steinels zeigt Maskierte der „Commedia dell´arte“; ein ausdrucksstarker Holzschnitt Uschi Plaths einen portugiesischen Fischer. Auch ein surreales Einstein-Porträt Walentin Anisimows und eine schöne Teufelsfigur von Barbara Beisinghoff fanden ihre Bewunderer.

Stadtansichten, Holzschnitte und Porträts sind zu entdecken.

Dieser ersten Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilbüro sollen weitere folgen. Zudem ist geplant, Galerieräume im derzeit freistehenden alten IHK-Gebäude anzumieten, um ganzjährig Ausstellungen auch von auswärtigen Künstlern zu ermöglichen.

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