Anlieger der Schubertstraße fordert von Stadt mehr Kontrollen des Lkw-Durchfahrtverbots

„Vernunft sitzt im Geldbeutel“

Klick vom Grundstück: Albert Blume hat dokumentiert, was eigentlich ausgeschlossen ist. Trotz aller Beteuerungen brettert ein Lastwagen samt Anhänger durch die Schubertstraße.

Offenbach - Schon am frühen Morgen leuchten Strahler die Baustelle aus. Aus Schläuchen spritzt Wasser auf das, was von der Beethovenschule übrig ist. Das ist herzlich wenig. Von Martin Kuhn

Wer vorbeifährt, reibt die Augen: 55 Jahre zerfallen zu Staub. Gleichwohl: Ähnlich schnell wie der einst gepriesene Schulbau dürfte der Ärger der Anwohner nicht verschwinden. Im Gegenteil.

Albert Blume ist einer derjenigen, die unter dem Baustellenverkehr leiden. Der Diplom-Ingenieur, kritischer Beobachter dessen, was auf dem Beethovenareal geschieht, grummelt nicht im Stillen. Er geht in die Offensive. Blume erwartet von Stadt und Bauträger Hochtief PPP Solutions, dass das eingehalten wird, was auf einer Bürgerversammlung versprochen wurde: Zur Baustelle (Ein- und Ausfahrt Richard-Wagner-Straße) sollen die Laster über eine Schleife gelangen – von der A 661 über Sprendlinger Landstraße, Starkenburgring, Waldstraße und Odenwaldring. Die Verantwortlichen wollten so ganz bewusst Baustellenverkehr und Schulweg trennen.

Das ist die Theorie. Die Beobachtung von Albert Blume ist eine andere. Nicht jeder Berufskraftfahrer hält sich an die vorgegebene und mit Hochtief abgesprochene Route. „Mehrfach habe ich die Stadtpolizei wegen der Lastwagen in der Schubertstraße angesprochen, die trotz zweier Verbotsschilder durchfahren.“ Der Offenbacher ist sich auch nicht zu schade, die Brummifahrer direkt anzusprechen. Ein Antwort: Der Polier habe gesagt, er solle trotzdem fahren.

Solche Aussagen erzürnen sicher nicht allein Blume. „Das Unrechtsbewusstsein vieler Mitbürger lässt sehr zu wünschen übrig.“ Mehrfache Bitten an die Stadtpolizei, man solle doch verstärkt kontrollieren, seien nicht erhört worden. Das hört sich bei Peter Weigand, Chef des Offenbacher Ordnungsamtes, etwas anders an: „Das Problem ist bekannt. Aktenkundig sind zwei Bürgerbeschwerden vom 5. und 11. Januar.“ Sie waren Anlass, „dort immer mal wieder Sonderkontrollen vorzunehmen“. Ob gerade zu diesem Zeitpunkt Laster die Schubertstraße verbotenerweise nutzen, ist gering.

Etwas unglücklich ist allerdings die Beschilderung. An der Abzweigung vom südlichen Umfahrungsring in die Schubertstraße sind zwar zwei Schilder (253: Verbot für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen) montiert, vor der nächsten Kreuzung mit der Weikertsblochstraße werden die Brummis jedoch (211-20: vorgeschriebene Fahrtrichtung mit Zusatzzeichen 1048-15: Nur Sattelkraftfahrzeuge und Züge) weiter geradeaus geschickt – direkt zum Schuleingang. Da müsste vielleicht noch etwas nachgebessert werden, zumal Hochtief während der anstehenden Rohbauphase täglich mit bis zu 80 Lkw-Transporten kalkuliert.

Keine Thema ist beispielsweise der temporäre Umbau der Kreuzung Odenwaldring / Richard-Wagner-Straße. Änderung der Ampelschaltungen, Beschilderung und Markierungsarbeiten würden bis zu 40 000 Euro kosten, rechnet Rainer Buck, Leiter der Straßenverkehrsbehörde vor. Was bleibt, sind weitere (Geschwindigkeits-)Kontrollen. „Wir prüfen das“, sagt Peter Weigand. Das dürfte Albert Blume erfreuen: „Die Leute müssen endlich mal kapieren, dass die Vernunft vieler Menschen nur im Geldbeutel sitzt.“ Dann dürfen allerdings nicht die Anwohner und Eltern meckern, die sozusagen mit Kollateral-Knöllchen ebenfalls zur Kasse gebeten werden...

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