„Verorten“ mit eigenem Kennzeichen

Offenbach/Hanau ‐ Mit Ralf Bochert, Leiter der Fachgebiete Volkswirtschaftlehre und Destinationsmanagement im Studiengang Tourismusmanagement an der Hochschule in Heilbronn, sprach unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey:

Warum haben Sie die Initiative „Kennzeichenliberalisierung“ gegründet? Hat das Autokennzeichen denn noch immer eine enorme Bedeutung fürs Zugehörigkeitsgefühl zu einer Kommune?

Die Marke einer Stadt ist ihr Name und Städte haben nur wenige Möglichkeiten, ihre Marke zu symbolisieren. Das Kfz-Kennzeichen ist die wahrscheinlich beste und einheitlichste Form eines Symbols für deutsche Gebietskörperschaften. Insofern „verorten“ sich die Menschen nach meiner Einschätzung relativ stark über die ersten Buchstaben auf ihrem Nummernschild, wenn sie dafür eine für sie identitätsstiftende Möglichkeit in ihrer Stadt oder ihrem Landkreis haben. Aber: Wir untersuchen gerade speziell diese Frage in einer Studie in etwa 50 deutschen Städten, die wir als Stichprobe aus den über 120 am Hanauer Modell interessierten Städten ausgewählt haben.

Warum ist ein eigenes Kennzeichen denn so wichtig? In Hessen geht man ja einen völlig anderen Weg. Autofahrern wird erlaubt, bei einem Umzug innerhalb des Landes ihr Nummernschild zu behalten. Inzwischen nutze jeder Zweite diese Möglichkeit, teilte das Ministerium mit.

Die Akzeptanz fürs hessische Vorgehen bei der  Kennzeichenmitnahme spricht ja gerade dafür, dass die Menschen mit ihrem Kfz-Kennzeichen die Bindung an die Gebietskörperschaft, aus der sie kommen, beibehalten wollen.

Am Hanauer Modell sind viele interessiert. Haben Kommunen, die eigene Kennzeichen haben wollen, inzwischen größere Chancen?

Es ist für sie in der Außenwahrnehmung mit Sicherheit von Vorteil, ein eigenes Kennzeichen zu haben, weil dies die Bedeutung einer Stadt unterstreicht. Das Hanauer Modell hat die Wahrscheinlichkeit für die erfolgreiche Wiedereinführung von auslaufenden Kennzeichen erhöht, weil man auf die elegante Regelung in diesem Fall verweisen kann.

Das Vorgehen im Main-Kinzig-Kreis hat Vorbildcharakter und ist ein Königsweg für die Lösung dieses in vielen Landkreisen latent bestehenden Problems: Man braucht große Einheiten für eine effiziente Kreisverwaltung und gleichzeitig besteht der zu vermutende Wille der Bevölkerung nach kleinräumigerer Identifikation. Die Tatsache, dass sich viele Städte gerade gleichzeitig mit der Lösung dieses Problems befassen, erhöht zudem die politische Relevanz.

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