Versammlung im Ostpol

Nicht für alles gibt’s eine Lösung

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Viele Bewohner des Mathildenquartiers fühlen sich durch unliebsame Vorkommnisse entlang der Hermann-Steinhäuser-Straße vor allem in der Nachtruhe gestört und sehen ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Bei einem Bürgergespräch im Ostpol brachten Betroffene die bestehenden Missstände zur Sprache.

Offenbach - Lärm, Prügeleien, Verschmutzungen: Auf Einladung der Bürgerinitiative der östlichen Innenstadt klagten Bewohner den städtischen Verantwortlichen jetzt bei einer Versammlung im Ostpol ihr Leid. Von Harald H. Richter 

Nicht wenige Bewohner im Mathildenquartier sind es leid: Regelmäßig werde ihnen die Nachtruhe genommen, Leute von außerhalb schafften regelmäßig Sperrmüll ins Viertel und deponierten ihn auf den Gehwegen, Prügeleien und andere Misslichkeiten beeinträchtigten ihre Lebensqualität. 126 von ihnen haben daher ihre Unterschriften unter eine Protestnote gesetzt, mit der sie am Donnerstag beim Bürgergespräch im Ostpol gegenüber städtischen Vertretern ihrer Verärgerung Luft machen.

Peter Ambros von der Bürgerinitiative der östlichen Innenstadt hat Offenbachs Ordnungsdezernenten Felix Schwenke, Ordnungsamtschef Peter Weigand, Oliver Gaksch vom Dienstleister ESO und Quartiersmanager Marcus Schenk eingeladen. Mit am Tisch sitzen der Polizeichef des 1. Reviers, Georg Grebner, und der fürs Viertel zuständige Kontaktbeamte Jens Eichhöfer.

Als Quellen unerträglichen Übels haben die Anwohner zwei Gaststätten an der Hermann-Steinhäuser-Straße ausgemacht, vor denen betrunkene Gäste sich immer wieder prügelten und Krach bis in die frühen Morgenstunden verursachten. „Diese Kneipen dienen nicht den Menschen des Viertels und haben für sie keine Funktion“, stellt Ambros klar und bekommt dafür Zustimmung aus dem Auditorium. Etliche der mehr als 80 erschienenen Bewohner – viele davon aus dem Mainpark-Gebiet – melden sich zu Wort, berichten von ihren Beschwerdeanrufen bei Polizei und Ordnungsbehörde. „Aber man gewinnt den Eindruck, dass die gar nicht richtig ernst genommen werden“, moniert eine Zuhörerin.

„Wir nehmen sie durchaus ernst“

Revierchef Grebner widerspricht. „Wir nehmen sie durchaus ernst, müssen jedoch Prioritäten setzen“, stellt er klar. „Wenn unsere Streifenwagenbesatzungen zu Unfallorten gerufen werden oder dorthin, wo Einbrüche verübt worden sind, haben solche Einsätze Vorrang.“ Die östliche Innenstadt sei im Übrigen kein Kriminalitätsschwerpunkt, die Zahl entsprechender Delikte geringfügig. Quartiersmanager Schenk, nach eigenem Bekunden oft an Ort und Stelle, pflichtet ihm bei: „So dramatisch, wie es allgemein dargestellt wird, erlebe ich das Viertel nicht.“

Bewohner sehen das anders, fühlen sich nicht nur in ihrer Nachtruhe gestört, sondern auch in ihrem Sicherheitsempfinden beeinträchtigt. Ein junger Mann hat gar einen vierminütigen Videobeweis mitgebracht, aus dem hervorgeht, wie gefährlich mancher zunächst verbale Streit unter erheblich Angetrunkenen vor den Lokalen sich zuspitzt und zur handfesten Keilerei ausartet.

Die Polizei will davon nichts erfahren haben, sichert aber zu, das Filmmaterial zu prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Für das Ordnungsamt ergeben sich schwerlich Ansatzpunkte zum Handeln. „Wir können den Wirten nicht einmal die Konzession entziehen, weil es nach der Novellierung des Hessischen Gaststättengesetzes zum Betreiben eines Lokals gar keiner mehr bedarf“, ruft Amtsleiter Weigand in Erinnerung. Faktisch sei der Gastronom fein raus, könne er doch nicht für etwas zur Verantwortung gezogen werden, das außerhalb seines Lokals passiere.

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Weiteres Ungemach strapaziert die Geduld der Bürger. So sei ein Kellerablass, der früher zur Belieferung einer Gaststätte diente, seit Jahren defekt und stelle eine Gefährdung für Fußgänger dar. Bei einem mehrgeschossigen Apartmenthaus an der Hermann-Steinhäuser-Straße, wo sich die GBO nach Aussagen ihres Geschäftsführers Winfried Männche redlich mühe, nach und nach Wohnungen aufzukaufen, seien viele Balkone mit Möbeln vollgestellt und sogar baulich verändert worden. „Und zwar mit der eindeutigen Absicht, dass dort Personen nächtigen können“, berichtet Ambros von entsprechenden Beobachtungen.

Im Fall von wild abgelagertem Unrat im Quartier könne am ehesten eine Kontaktaufnahme mit dem Ordnungsamt unter s 8065-4747 oder per E-Mail etwas bewirken, so dass die Müllermittler sich kümmern, schlägt ESO-Mann Oliver Gaksch vor.

Ordnungsdezernent Felix Schwenke räumt indes ein: „Es gibt sicher nicht für alle im Viertel auftretenden Probleme eine Lösung.“ Er plädiert aber, bei sämtlichen Angelegenheiten, die den Bürgern auf den Nägeln brennen, für den „Mut zur Meldung“.

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