Verschärfter Lehrermangel

Offenbach ‐ Wenn an einer hiesigen Schule ein Lehrer ausfällt, muss sich die Schulleitung ab sofort noch genauer überlegen, wie sie die Personallücke qualifiziert stopft. Von Marcus Reinsch

Das für die Lehrerzuweisung zuständige Staatliche Schulamt habe den Bildungseinrichtungen mitgeteilt, „dass Ausfälle wegen Krankheit, Schwangerschaft usw. nur noch zu 90 Prozent ersetzt werden sollen“. So beklagen es die Offenbacher Stadt- und Land-Vorstände der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie warnen vor einem Verlust von Unterrichtsqualität und der Überlastung des Lehrerkollegiums. Die Gewerkschafter prangern Widersprüche an. Beispielsweise den, dass sich die Landesregierung zwar das verlässliche Unterrichtsangebot auf ihre Fahne geschrieben habe, nun aber an der Vertretungsreserve spare - „in Schulamtsbereichen, die nicht alle zugewiesenen Stellen mit voll ausgebildeten Lehrkräften besetzen können, weil es davon zu wenige gibt“. Ausbaden solle diese Misere die Lehrerschaft mit kostenloser Mehrarbeit. Die sei laut Gesetz aber nur in besonderen Ausnahmefällen zuzumuten. Und dabei habe die Kultusministerin mal eine Erhöhung der Stellenzuweisung auf 105 Prozent versprochen.

Vor allem Teilzeitkräfte betroffen

An Grundschulen treffe die Vertretungslast vor allem Teilzeitkräfte, weil bei Vollzeitlern kaum Spielraum für Vertretungen bleibe. Das sei nicht nur moralisch empörend, sondern sogar „rechtlich bedenklich“. Da helfe es auch nicht, wenn das Staatliche Schulamt empfehle, Klassen mit erkrankten Lehrkräften auf andere Klassen aufzuteilen. Darunter leide die Unterrichtsqualität.

Als Gegenmittel fordert die GEW „eine 100-prozentige Stellenzuweisung an die Schulen sowie eine zusätzliche Zuweisung von 10 Prozent für eine ausreichende Vertretungsreserve.“

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