Verschuldete Jugend funkt SOS

Offenbach - „Kannst du mir mal ein bisschen Geld vorstrecken, Mama? Die Rechnung fürs Handy ist gekommen!“ „Papa, leihst du mir mal 100 Euro? Ich gebe sie dir auch bald zurück.“ Aber wann ist „bald“? Von Peter Schulte-Holtey

Viele Jugendliche verlieren schnell den Überblick über ihre finanziellen Möglichkeiten.

Die Erfahrung von Experten zeigt: Vor allem junge Erwachsene bekommen Geldprobleme oft gar nicht mehr in den Griff, häufen schnell Schuldenberge auf.

Michael Franke von der Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau: „Vermutlich greift die Verschuldung immer mehr um sich, da 1. gerade über das Internet oder auch Telefon sehr leicht und schnell ein Vertragsverhältnis - möglicherweise auch ungewollt - zustande kommt und 2. Jugendliche mehr und mehr als Zielgruppe umworben werden.“ Und Astrid Metzler, ebenfalls Mitarbeiterin beim Diakonischen Werk, ergänzt: „Es wird durch Werbung der Eindruck vermittelt, dass für ,wenig Geld viel zu haben ist’; häufig sind es längerfristige Bindungen wie Verträge, die das Angebot dann deutlich relativieren. Hier trifft es dann insbesondere junge Erwachsene, die voll geschäftsfähig sind, aber aufgrund ihrer Unerfahrenheit die Gefahr der teils vorhandenen ,Tücken’ nicht erkennen können.“

Im Kreis Offenbach haben engagierte Senioren schon vor einigen Jahren beschlossen, dieser gefährlichen Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau konzipierten sie ein Unterrichtsprogramm zur Schuldenprävention an Schulen („Josch“ - Jugend ohne Schulden). Das Projekt stößt in der Region auf wachsende Resonanz, kann gar nicht mehr allen Nachfragen nachkommen. Gesucht werden weitere Mitarbeiter, denn Schulen, Lehrer und Jugendliche funken immer häufiger SOS. Es ist erkannt worden, dass eine große Zahl von Mädchen und Jungen die grundlegendsten Kenntnisse im Umgang mit Geld fehlen. Steffen Schmidt, Mitarbeiter der Schuldnerberatung und in Offenbach zuständig für „Josch“: „Um so mehr freut es uns, dass viele Jugendliche im ,Josch’-Unterricht Finanzkompetenz-Wissen regelrecht aufsaugen. Die Motivation resultiert aus dem Wissen, dass sie bald volljährig sein werden und dass Finanzkompetenzen spätestens dann wichtig für sie sind.“ Für Schüler sei wichtig, dass der Unterricht nicht durch bezahlte Lehrer oder ,stressende Eltern’ erfolge, sondern durch externe und freiwillig engagierte Vermittler im Rentenalter, denen es darum geht, ihr Erfahrungswissen weiterzugeben. Metzler erinnert daran, dass Jugendliche mit dem Einstieg ins Berufsleben erstmalig mit regelmäßig selbst verdientem Geld in Kontakt kommen. „Wir wollen Betroffenen aufzeigen, wie ein sinnvoller Umgang mit Geld erfolgen kann, um Verschuldung aus dem Weg zu gehen.“

Interessiert an „Josch“?

Ditmar Lutz, er ist einer von derzeit 14 „Josch“-Mitarbeitern im Kreis Offenbach: „Angesprochen sind alle, die in den Vormittagsstunden ca. zwei Stunden Zeit erübrigen können.“ Gesucht werden Interessierte in ihrer nachberuflichen Lebensphase, die sich, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten sinnvoll einbringen möchten, die gerne junge Menschen unterrichten. Die Berater, sie werden zunächst geschult, gehen zu zweit in eine Schulklasse und unterrichten anhand des „Josch“-Materials, wobei immer wieder eigene Erfahrungen einfließen. Gesucht werden Freiwillige sowohl für den Kreis Offenbach (Kontakt über Frau Metzler, Tel.: 06103 / 98 75-23, E-Mail: astrid.metzler@diakonie-of.de) als auch für die Stadt Offenbach (Herr Schmidt, Tel.: 01577 / 1 81 6710, E-Mail: steffen.schmidt@diakonie-of.de)

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