Schulanfang am 8. September

Gut versorgt zum Unterricht

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Bianca Maiwald von der Drogerie Müller berät Eltern beim Einkauf von Schulsachen.

Offenbach - Eltern wissen es: Kinder kosten viel Geld. Die Deutschen geben, nach Angaben des Statistischen Bundesamts, im Schnitt 584 Euro im Monat für ihren Nachwuchs aus. Schulbedarf ist ein nicht zu unterschätzender Posten. Von Jannika Kämmerling und Jakob Sänger 

Jedes Jahr müssen Erziehungsberechtigte einiges an Geld und Zeit dafür investieren. Viele Familien von Erstklässlern absolvieren derzeit ihren ersten Schulsachen-Einkaufsmarathon durch die Buchhandlungen, Drogerien und Schreibwarenläden der Stadt. Die Offenbacher Schulen teilen zum Ferienbeginn Materiallisten aus. Dabei benötigen die Schüler, neben Malerkitteln oder Hausaufgabenheften, mittlerweile viele Zusatzmaterialien. Nicht jeder in Offenbach kann sich deren Anschaffung leisten. Bezieher von Hilfsleistungen sind daher berechtigt, das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket des Landes in Anspruch zu nehmen. Damit bekommen sie zum Schulbeginn 70 Euro zusätzlich für die Beschaffung der Schulausstattung. Dazu gehört neben Heften und Stiften beispielsweise auch Sportkleidung. Zum zweiten Schulhalbjahr gibt es noch einmal 30 Euro. Gefördert werden Schüler, die eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen und jünger als 25 Jahre sind.

Riesige Einnahmen in Buchhandlung und Drogerie

Jasmin Stenger von der Buchhandlung Thalia zeigt ein Arbeitsheft.

Bedingung: Ihre Eltern erhalten Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Grundsicherung bei Erwerbsminderung, Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz, Wohngeld oder Zuschlag zum Kindergeld. „In diesem Jahr haben wir den Schulbedarf bis einschließlich Juni mit 366.000 Euro gefördert“, sagt Susanne Pfau vom kommunalen Jobcenter Mainarbeit. Ingesamt haben 3860 Schüler die Leistungen bekommen. 2012 hatten am Ende des Jahres lediglich 3077 Schüler vom Paket profitiert. Die Pauschale müssen Eltern nicht gesondert beantragen. Sie steht bedürftigen Kindern im Alter von sieben bis 14 Jahren automatisch zu. Ab dem 15. Lebensjahr muss für das Bildungspaket bei Mainarbeit eine Schulbescheinigung abgegeben werden. Der Handel dagegen freut sich kurz vor Schulbeginn über steigende Umsätze. „Arbeitshefte für Fremdsprachen, Deutsch und Mathe, Vokabeltrainer, Klassenarbeits-Trainer und vieles mehr verkauft sich jetzt sehr gut“, zählt Jasmin Stenger von der Buchhandlung Thalia im KOMM-Center auf.

Die Einnahmen im Schulbuchgeschäft machten einen ansehnlichen Teil des Jahresumsatzes aus. In der Regel gäben die Eltern pro Kind 30 bis 50 Euro allein für die Übungshefte aus. Natürlich bedeute der große Ansturm immer Mehrarbeit für die Buchhändler, die sich bei der Beratung viel Zeit nehmen müssten, um alles zu finden. „Ab und zu bilden sich dann schon mal lange Schlangen“, berichtet Stenger aus Erfahrung. Auch bei der Drogerie Müller im KOMM ist in den Ferien viel los: Sie hält eigens Mitarbeiter bereit, die Kunden beim Zusammensuchen der Schul-Utensilien helfen. Mit ihren neongelben Westen sind sie zwischen den Regalen gut zu erkennen. „Eltern kommen vor allem zu uns, um die richtigen Schreibhefte zu finden“, erzählt Verkäuferin Bianca Maiwald. „Auf den Listen steht schon einiges, und viele sind sehr dankbar, wenn wir ein bisschen bei der Suche helfen.“

Schulanfang 2012 in Bildern

Schulanfang 2012 in Bildern (Teil 1)

Vor allem Eltern von Erstklässlern seien häufig überfordert. Die Auswahl des Motivs auf dem Zeichenblock könne schon ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, insbesondere wenn die Kinder mit einkauften, sagt sie und schmunzelt. Trotz allem kaufen die meisten Eltern die Materialien gern. „Es ist viel, aber das ist nicht schlimm“, sagt Agnieszka Mazur, die gerade mit ihren beiden Söhnen Körbe voll mit Heften, Ordnern und Umschlägen packt. „Wenn das Kind mal in der Schule ist, ist es auch nicht mehr so teuer“, meint Familienvater Sven Mooshake. Und Helma Fischer von der Steinmetz’schen Buchhandlung an der Frankfurter Straße rät, die Handyrechnung mit den Kosten für Lehrmittel zu vergleichen: „Als Buchhändlerin finde ich es wichtiger, gute Bücher zum Lernen zu haben.“

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